„Bringt die Krise einen Superzyklus?“ Diese Frage war 2021 so präsent, dass ich einen Beitrag dazu gemacht habe. Werfen wir einen Blick zurück: Kupfer war damals erstmals seit zehn Jahren über 10.000 US-Dollar je Tonne gesprungen.
Heute ist der Begriff wieder relevant geworden. Kupfer hat am 7. September 2026 an der Londoner Metallbörse mit 14.533 US-Dollar je Tonne ein Allzeithoch markiert, rund 17 % mehr als vor einem Jahr. Gold erreichte Ende Januar mit knapp 5.600 US-Dollar je Unze ein Rekordhoch. Also schauen wir es uns richtig an: Was ein Superzyklus überhaupt ist, welche es historisch gab, und ob das, was gerade passiert, wirklich einer ist.
Inhaltsverzeichnis
Was ist ein Rohstoff-Superzyklus?
Ein Superzyklus ist eine lange, von der Nachfrage getriebene Phase, in der die Rohstoffpreise deutlich über ihrem langfristigen Durchschnitt liegen. Das Hamburgische Weltwirtschaftsinstitut beschreibt die Aufschwungphase mit 10 bis 35 Jahren. Ausgelöst wird sie nicht von der normalen Konjunktur, sondern von einem strukturellen Umbruch der Weltwirtschaft.
- Normaler Rohstoffzyklus: Monate bis wenige Jahre, getrieben von Konjunktur, Lagerbeständen und einzelnen Lieferausfällen.
- Superzyklus: Jahrzehnte, getrieben von einem echten Nachfragesprung, und zwar quer über alle großen Rohstoffgruppen gleichzeitig.
- Das Entscheidende: Das Angebot kann nicht schnell folgen. Eine neue Mine braucht von der Entdeckung bis zur Produktion oft mehr als zehn Jahre.

Eine Korrektur zu meiner Grafik von 2021: Dort steht, der letzte Superzyklus sei 2008 mit der Finanzkrise nach nur zwölf Jahren zu Ende gegangen. Präziser ist, dass die Finanzkrise ihn unterbrochen, aber nicht beendet hat. Die Metallpreise liefen bis 2011 weiter, Öl sogar bis 2014.
Die Superzyklen der Vergangenheit
Mindestens drei Phasen gelten als klassische Superzyklen:
| Zeitraum | Auslöser | Betroffene Rohstoffe |
|---|---|---|
| Ende des 19. bis Anfang des 20. Jahrhunderts | Schnelle Industrialisierung der USA | Alle großen Gruppen |
| Ab 1945 | Wiederaufbau Europas und Aufstieg Japans | Alle großen Gruppen |
| Ab 2000 | Industrialisierung und Urbanisierung der BRIC-Länder, WTO-Beitritt Chinas | Alle großen Gruppen |
Das Muster ist immer gleich: Eine Region baut in sehr kurzer Zeit sehr viel auf und saugt dafür Material aus dem Weltmarkt. Genau daran solltest du jede neue Superzyklus-Schlagzeile messen. Wo ist der Nachfrageschub, der so groß ist wie Chinas Städtebau?
Was 2021 für einen neuen Superzyklus sprach
Das waren die Argumente, die ich damals gesammelt habe, und sie sind bis heute die Grundlage der Diskussion:

- Der Kampf gegen den Klimawandel und die langsame Abkehr vom Öl als wichtigste Energiequelle.
- Metalle werden für Wind- und Solaranlagen, Batterien, E-Autos, Stromnetze und die Chipindustrie gebraucht, und zwar in großen Mengen.
- Das Angebot ist begrenzt. Neue Bergwerke und höhere Ausbeuten lassen sich nicht auf Knopfdruck hochfahren.
- Auch Agrarrohstoffe könnten steigen, weil Weltbevölkerung und Wohlstand wachsen. Soja, Mais und Zucker hatten damals schon kräftig zugelegt.
Die Logik ist bis heute schlüssig. Die Frage ist, ob sie sich in Preisen niedergeschlagen hat. Dafür lohnt ein Blick zurück.
Fünf Jahre später: Was davon eingetreten ist
| Rohstoff | Was seit 2021 passiert ist |
|---|---|
| Gold | Von rund 1.757 US-Dollar je Unze im April 2021 auf ein Allzeithoch von knapp 5.600 US-Dollar Ende Januar 2026. Aktuell rund 4.330 US-Dollar. 2025 war das stärkste Goldjahr seit 1979. |
| Silber | Von rund 25 US-Dollar je Unze im April 2021 auf ein Allzeithoch von rund 120 US-Dollar im Januar 2026. 2025 hat sich der Preis mehr als verdoppelt. Aktuell rund 64 US-Dollar: fast halbiert seit dem Hoch, aber immer noch rund 150 % über 2021. |
| Kupfer | Von knapp 10.000 US-Dollar je Tonne Ende April 2021 auf ein Allzeithoch von 14.533 US-Dollar am 7. September 2026, rund 17 % mehr als vor einem Jahr. Die Versorgung außerhalb der USA ist angespannt. |
| Lithium | Erst Boom bis Anfang 2023, dann ein tiefer Absturz bis auf rund 8.300 US-Dollar je Tonne im Juni 2025. Seitdem mehr als verdoppelt auf rund 22.000 US-Dollar. Treiber sind inzwischen stationäre Stromspeicher und Rechenzentren, nicht mehr nur E-Autos. |
| Öl (Brent) | Von rund 66 US-Dollar je Barrel Ende April 2021 auf aktuell rund 107 US-Dollar, gut 80 % über dem Jahresanfang. Auslöser ist der Iran-Krieg mit der Blockade der Straße von Hormus, also ein Angebotsschock und kein Nachfrageschub. |
Das ist der spannende Teil: Seit 2021 liegen alle fünf im Plus, aber die Wege dahin könnten kaum unterschiedlicher sein. Silber und Lithium sind abgestürzt und wieder hochgeschossen, Öl steigt wegen eines Krieges und nicht wegen wachsender Nachfrage. Genau das ist der Unterschied zum Lehrbuch-Superzyklus, bei dem alle großen Gruppen gemeinsam und aus demselben Grund steigen.
Superzyklus oder einfach Strukturwandel?
Was dafür spricht
- Elektrifizierung und Netzausbau: Jede Leitung, jeder Transformator und jede Ladesäule braucht Kupfer.
- Rechenzentren: Der Stromhunger der KI-Infrastruktur erzeugt Bedarf an Metallen und an Speichern. Beim Lithium kommt der Nachfrageschub aktuell genau von dort.
- Angebotsseite: Genehmigungen dauern, Erzgehalte sinken, und Störungen wirken sofort. Nach dem Unglück in der Grasberg-Mine im September 2025 hat Freeport die Produktionsprognose für 2026 erst um rund ein Drittel gesenkt, inzwischen erwartet der Konzern nicht einmal mehr die Hälfte der ursprünglich geplanten Menge.
- Geopolitik: Zölle, Deglobalisierung und Aufrüstung binden Material. Notenbanken kaufen Gold, um weg vom US-Dollar zu diversifizieren.
Was dagegen spricht
- Der China-Zyklus, der vom Immobilienbau getragen wurde, ist vorbei. Einen Nachfrageschub dieser Größe gibt es derzeit nirgends.
- Der Ölpreis ist zwar stark gestiegen, aber wegen eines Angebotsschocks durch den Iran-Krieg und nicht wegen eines strukturellen Nachfragesprungs. Wie schnell so ein Aufschlag verschwinden kann, hat die Waffenruhe im April gezeigt.
- Auch hinter dem Kupferrekord steckt nicht nur Nachfrage: Händler haben vor möglichen US-Zöllen große Mengen Kupfer in die USA verschifft und so die Lager anderswo geleert.
- Die Goldrally ist vor allem monetär und nicht industriell. Sie sagt mehr über Misstrauen gegenüber Währungen als über Rohstoffbedarf.
- Hohe Inflation heißt oft hohe Zinsen, und die drücken auf Anlagen, die keine Erträge abwerfen.
- Schon 2021 sah das Hamburgische Weltwirtschaftsinstitut den Nachfrageschub vor allem bei wenigen Industriemetallen wie Kupfer, Kobalt und Nickel und hielt einen neuen Superzyklus deshalb für fraglich. Dieser Befund passt fünf Jahre später noch immer.
Mein Eindruck: Was wir sehen, ist kein Superzyklus im alten Sinn, sondern ein Strukturwandel bei einzelnen Rohstoffen. Kupfer, Silber und die Batteriemetalle hängen an Stromnetzen, Rechenzentren und Rüstung. Gold hängt an den Notenbanken. Das kann als Investment genauso interessant sein, ist aber etwas anderes als „alle Rohstoffe steigen jahrzehntelang“.
Was das für dein Depot bedeutet
Rohstoffe kaufst du nicht wie eine Aktie. Es gibt vier Wege, und sie verhalten sich sehr unterschiedlich:
- Minen- und Rohstoffaktien: Du kaufst Unternehmen, nicht den Rohstoff. Es gibt Dividenden und einen Hebel auf den Preis, dafür trägst du das Risiko eines einzelnen Betriebs. Das Grasberg-Beispiel zeigt, wie schnell ein Unglück mehr als die Hälfte der geplanten Produktion kostet.
- Branchen-ETFs auf Bergbau oder Grundstoffe: Deutlich breiter als eine Einzelaktie, aber weiterhin Aktienrisiko. Welche Grundstoff-Werte bei mir im Depot liegen, zeige ich im Beitrag Sektor Grundstoffe in meinem Depot. Wie so ein Branchenfonds aufgebaut ist, habe ich am Gold Miners ETF aufgeschrieben.
- Breite Rohstoff-ETFs auf Futures-Indizes: Am nächsten am Preis, dafür können beim Weiterrollen der Kontrakte je nach Marktlage Kosten entstehen, und der Rohstoff selbst schüttet nichts aus.
- Physische Edelmetalle und ETCs: Nur für Gold, Silber und Co. Kein Cashflow, dafür Lagerkosten, Spread und beim ETC ein Emittentenrisiko.
Drei Dinge, die ich mir dabei klarmache
- Rohstoffe zahlen keine Zinsen, keine Miete und keine Dividende. Der Gewinn kommt allein aus dem Preis, und damit brauchst du einen Käufer, der später mehr zahlt.
- Die Schwankungen sind größer als bei einem breiten Welt-ETF. Für mich ist das eine Beimischung und kein Fundament.
- Steuerlich sind die vier Wege nicht gleich. Was bei Aktien, Fonds und Edelmetallen zu beachten ist, sammle ich unter Steuern bei Aktien und ETFs.
Und weil Knappheit nicht nur Metalle betrifft: Wie verrückt der Markt für einen scheinbar unendlichen Rohstoff aussieht, steht in Sand, ein knappes Gut.
Wie man in Rohstoffe investieren kann
Für Aktien und ETFs aus dem Rohstoffbereich brauchst du nur ein normales Depot. Sparplanfähig sind die meisten Branchen-ETFs zum Beispiel bei Scalable Capital* und Trade Republic*. Welches Depot zu dir passt, kannst du im Depotvergleich für Deutschland durchgehen.
Wie du einen Sparplan anlegen kannst, habe ich hier am Beispiel von Scalable Capital Schritt für Schritt aufgeschrieben.
Ich bin gespannt auf eure Gedanken dazu!
FAQ: Rohstoff-Superzyklus
Ein Superzyklus ist eine lange, nachfragegetriebene Phase, in der die Rohstoffpreise deutlich über ihrem langfristigen Durchschnitt liegen. Ausgelöst wird er von einem strukturellen Umbruch der Weltwirtschaft, nicht von der normalen Konjunktur.
Die Aufschwungphase wird in der Forschung mit 10 bis 35 Jahren angegeben. Damit ist ein Superzyklus deutlich länger als ein normaler Rohstoffzyklus, der oft nach wenigen Jahren dreht.
Als klassische Beispiele gelten drei Phasen: die Industrialisierung der USA ab Ende des 19. Jahrhunderts, der Wiederaufbau nach 1945 mit dem Aufstieg Japans und der Aufstieg der BRIC-Länder ab 2000 mit Chinas WTO-Beitritt.
Die Preise einzelner Rohstoffe sprechen dafür: Kupfer hat im September 2026 ein Allzeithoch von 14.533 US-Dollar je Tonne erreicht, Gold Ende Januar 2026 ein Rekordhoch von knapp 5.600 US-Dollar je Unze. Öl ist zwar stark gestiegen, allerdings wegen des Iran-Kriegs und nicht wegen dauerhaft höherer Nachfrage. Silber hat seit dem Rekord im Januar fast die Hälfte verloren. Die gemeinsame, nachfragegetriebene Aufwärtsbewegung über alle Rohstoffgruppen, die einen Superzyklus auszeichnet, fehlt damit bisher.
Vor allem Kupfer für Netze und Motoren, Aluminium, Nickel, Lithium und Kobalt für Batterien, Silber für Solarmodule und die seltenen Erden für Magnete. Bei Lithium kommt die Nachfrage aktuell stark aus stationären Stromspeichern und Rechenzentren.
Es gibt vier Wege: Minen- und Rohstoffaktien, Branchen-ETFs auf Bergbau oder Grundstoffe, breite Rohstoff-ETFs auf Futures-Indizes und physische Edelmetalle oder ETCs. Sie unterscheiden sich in Kosten, Risiko und steuerlicher Behandlung deutlich.
Der Artikel erschien erstmalig im April 2021 und wurde zuletzt im September 2026 aktualisiert.
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Hallo Lisa,
eine Alternative zu den von dir genannten ETFs könnte der folgende sein, in den ich auch investiere. Hierbei wird in Edelmetalle, Rohstoffe und Energie zu je einem drittel investiert.
Lyxor Bloomberg Equal-weight Commodity ex-Agriculture UCITS ETF
ISIN LU0419741177, WKN ETF090
beste Grüße,
Jürgen
PS: mach weiter so, ich finden deinen Blog super!
Bei Gold schreibst du von 2021 bis 2026. Bei Silber nimmst du du nur das Jahr 2026. Der Vergleich hinkt so ein bisschen. Ich weiß das 2025 ein Top Jahr war für Silber genau wie bei Giold. Mfg René
Hallo René, danke dir für den Hinweis, da hast du absolut recht! Ich habe die Tabelle angepasst, jetzt starten alle Rohstoffe im April 2021. Spannend dabei: Silber liegt seit 2021 sogar leicht vor Gold, trotz des Rücksetzers seit Januar. Viele Grüße, Lisa