Heute gibt es nach längerer Zeit mal wieder einen Beitrag im Börsenlexikon! Dieses Mal dreht sich alles um die Quiet Period. Vielleicht ist dir der Begriff schon einmal aufgefallen, SAP hat die Quiet Period zum Beispiel heute, am 28. September 2026, auf LinkedIn und seiner Investor-Relations-Seite angekündigt. Sie läuft bis zum 21. Oktober, dem Tag der Zahlen zum dritten Quartal.

Quiet Period im Überblick
| Was? | Schweigephase eines Unternehmens vor den Geschäftszahlen |
| Wann? | Meist zwei bis vier Wochen vor den Quartals- oder Jahreszahlen |
| Wer? | Vorstand, Finanzabteilung und Investor Relations |
| Warum? | Alle Anleger bekommen die neuen Zahlen zur gleichen Zeit |
| Pflicht? | Vor Quartalszahlen freiwillig, beim Börsengang in den USA Pflicht |
| Beispiel | SAP: 28. September bis 21. Oktober 2026 |
Was ist eine Quiet Period?
Die Quiet Period ist die Zeit vor den Geschäftszahlen, in der sich ein Unternehmen nicht zur eigenen Geschäftsentwicklung äußert. Vorstand, Finanzabteilung und Investor Relations sagen dann nichts zu Umsatz, Gewinn oder Ausblick. Auch Gespräche mit Analysten und Investoren fallen meist aus.
Die Quiet Period endet mit der Veröffentlichung der Zahlen. Direkt danach gibt es in der Regel eine Telefonkonferenz mit Analysten, in der das Management wieder Fragen beantwortet. Während der Earnings Season sind deshalb viele Unternehmen gleichzeitig in ihrer Quiet Period.
Warum gibt es die Quiet Period?
Zum Ende eines Quartals weiß ein Unternehmen intern schon ziemlich genau, wie es gelaufen ist. Spricht der Finanzvorstand in dieser Zeit mit einzelnen Analysten, könnte schon eine kleine Andeutung einen Vorsprung verschaffen. Genau das soll die Quiet Period verhindern. Alle Anleger sollen die neuen Zahlen zur gleichen Zeit bekommen.
Gleichzeitig schützt sich das Unternehmen selbst. Wer nichts sagt, kann auch nicht aus Versehen eine Insiderinformation weitergeben.
Ist die Quiet Period Pflicht?
Vor den Quartalszahlen nicht, weder in Europa noch in den USA. Die Unternehmen legen die Quiet Period freiwillig fest. Bei SAP startet sie zum Beispiel in der letzten Woche des Quartals, vor den Jahreszahlen schon am 10. Dezember.
Es gibt aber Regeln, die in die gleiche Richtung gehen:
- Europa: Die EU-Marktmissbrauchsverordnung (MAR) verbietet, Insiderinformationen weiterzugeben. Außerdem dürfen Vorstände und Aufsichtsräte 30 Tage vor einem Jahres- oder Zwischenbericht keine Aktien des eigenen Unternehmens handeln (Art. 19 Abs. 11 MAR). Das nennt sich Closed Period und betrifft den Handel der Führungskräfte, nicht die Kommunikation des Unternehmens.
- USA: Die Regulation Fair Disclosure (Reg FD) verbietet, wichtige Infos nur an einzelne Analysten oder Investoren zu geben. Eine Pflicht zu schweigen gibt es vor den Zahlen aber auch dort nicht.
- Börsengang in den USA: Hier ist die Quiet Period tatsächlich Pflicht. Rund um einen Börsengang regelt die Börsenaufsicht SEC genau, was ein Unternehmen sagen darf. So sollen Anleger nicht mit Werbeaussagen außerhalb des Prospekts gelockt werden. Auch die begleitenden Banken dürfen erst nach einer Sperrfrist eigene Analysen veröffentlichen.
Ad-hoc-Meldungen gibt es trotzdem
Die Quiet Period ändert nichts an der Pflicht zur Ad-hoc-Meldung. Passiert etwas, das den Kurs stark beeinflussen könnte, muss das Unternehmen es sofort melden, auch in der Quiet Period. Eine Gewinnwarnung kann also auch kurz vor den eigentlichen Zahlen kommen.
Was bedeutet das für dich?
Eigentlich nicht viel. Die Quiet Period ist Routine und kommt jedes Quartal wieder. Ob die Zahlen gut oder schlecht werden, verrät sie nicht. Ein paar Dinge kannst du trotzdem mitnehmen:
- Die Ankündigung zeigt dir, wann die nächsten Zahlen kommen. Das Datum findest du auch im Finanzkalender auf der Investor-Relations-Seite.
- Fragen an die Investor Relations werden in dieser Zeit meist nicht beantwortet.
- Angebliche Insider-Tipps in dieser Phase kommen jedenfalls nicht vom Unternehmen. Vorsicht vor allem bei Tipps in Telegram- oder WhatsApp-Gruppen.
Häufige Fragen zur Quiet Period
Die Quiet Period ist eine Schweigephase vor den Geschäftszahlen. Das Unternehmen äußert sich in dieser Zeit nicht zur eigenen Geschäftsentwicklung, damit alle Anleger die neuen Zahlen zur gleichen Zeit bekommen.
Meist zwei bis vier Wochen. Sie endet mit der Veröffentlichung der Zahlen. Bei SAP beginnt sie zum Beispiel in der letzten Woche des Quartals.
Vor Quartalszahlen nicht, die Unternehmen legen sie selbst fest. Pflicht ist sie beim Börsengang in den USA. In der EU gilt außerdem ein Handelsverbot für Führungskräfte in den 30 Tagen vor bestimmten Finanzberichten.
Ja. Die Pflicht zur Ad-hoc-Meldung gilt weiter. Eine Gewinnwarnung kann also auch mitten in der Quiet Period kommen.
Nein. Sie ist Routine und wiederholt sich jedes Quartal. Über die Zahlen selbst sagt sie nichts aus.
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📕 Dieser Beitrag ist Teil des Aktiengram Börsenlexikons.
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