Payment for Order Flow, kurz PFOF, war jahrelang das Geschäftsmodell hinter dem Handel für 1 € oder sogar 0 € bei Neobrokern wie Trade Republic* und Scalable Capital*. Seit dem 1. Juli 2026 ist diese Praxis in der gesamten EU verboten. In diesem Artikel erkläre ich dir, was Payment for Order Flow überhaupt ist, warum es so umstritten war, wie das Verbot zustande kam und was sich dadurch für dich als Privatanleger konkret geändert hat. Kurz vorweg: Deutlich teurer ist das Investieren dadurch bislang nicht geworden.
Payment for Order Flow im Überblick
| Frage | Antwort |
|---|---|
| Was ist PFOF? | Eine Rückvergütung, die ein Broker von einem Handelsplatz oder Market Maker dafür erhält, dass er die Kundenorders dorthin leitet |
| Wer hat es genutzt? | Vor allem Neobroker wie Trade Republic, Scalable Capital, justTRADE oder finanzen.net zero |
| Warum umstritten? | Interessenkonflikt: Der Broker könnte Orders dorthin leiten, wo er am meisten verdient, statt dorthin, wo der Kunde den besten Preis bekommt |
| Rechtsgrundlage des Verbots | Überarbeitete EU-Finanzmarktverordnung MiFIR (Verordnung (EU) 2024/791), politisch geeinigt 2023 |
| Verbot gültig seit | 1. Juli 2026 (Deutschland hat die maximal mögliche Übergangsfrist bis 30. Juni 2026 genutzt) |
| Was hat sich geändert? | Neobroker führen Orders über eigene Handelsplätze aus, handeln selbst als Market Maker oder haben ihre Preismodelle umgebaut |
Was ist Payment for Order Flow?
Wenn du bei deinem Broker eine Aktie kaufst, wird deine Order an einen Handelsplatz weitergeleitet, zum Beispiel an Xetra, gettex, die LS Exchange oder Tradegate. Beim Payment for Order Flow bekommt der Broker vom Handelsplatz bzw. vom dortigen Market Maker eine Zahlung dafür, dass er die Orders seiner Kunden genau dorthin schickt. Der Market Maker verdient am Spread, also am Unterschied zwischen An- und Verkaufskurs, und gibt einen Teil dieses Gewinns an den Broker weiter.
Genau dieses Modell hat es den Neobrokern ermöglicht, Aktien und ETFs für eine Fremdkostenpauschale von 1 € oder Sparpläne komplett gebührenfrei anzubieten. Der Kunde zahlt keine klassische Ordergebühr, der Broker verdient trotzdem, nur eben über den Handelsplatz und nicht direkt über den Kunden.
Was ist die Kritik an Payment for Order Flow?
Der Hauptkritikpunkt ist ein möglicher Interessenkonflikt. Ein Broker, der für die Weiterleitung bezahlt wird, könnte versucht sein, deine Order an den Handelsplatz zu schicken, der ihm am meisten zahlt, und nicht an den, der dir den besten Kurs bietet. Schlechtere Ausführungskurse und weitere Spreads würden dann die eingesparte Ordergebühr wieder auffressen, ohne dass du es auf den ersten Blick siehst. Kritiker sprachen deshalb von versteckten Kosten.
Interessanterweise kamen sowohl die Stiftung Warentest als auch die BaFin in ihren Untersuchungen zu einem differenzierten Ergebnis: Für Privatanleger mit kleineren Ordergrößen und Handel während der Xetra-Handelszeiten war das PFOF-Modell unterm Strich meist vorteilhaft. Die niedrigen Gebühren wogen die minimal schlechteren Kurse mehr als auf. Nachteile zeigten sich vor allem bei größeren Orders und außerhalb der Kernhandelszeiten. Aus meiner Sicht hat das Verbot deshalb eher die etablierten Börsen geschützt als die Verbraucher.
Das PFOF-Verbot: Wie es dazu kam
Im Sommer 2023 haben sich die EU-Mitgliedstaaten und das Europäische Parlament im Rahmen der Überarbeitung der Finanzmarktverordnung MiFIR auf ein Verbot von Payment for Order Flow geeinigt. Länder, in denen das Modell bereits verbreitet war, durften eine Übergangsfrist bis zum 30. Juni 2026 nutzen. Deutschland hat diese Frist voll ausgeschöpft. Seit dem 1. Juli 2026 dürfen Broker in der EU keine Zahlungen oder sonstigen Vorteile von Dritten mehr für die Weiterleitung von Kundenorders annehmen. Die BaFin hat das im Juli 2026 noch einmal ausdrücklich klargestellt.
Als das Verbot beschlossen wurde, war die große Frage: Was passiert mit den Neobrokern und ihren Gebührenmodellen? Steigen die Preise, kommen Abo-Modelle, verschwinden die kostenlosen Sparpläne? Inzwischen kennen wir die Antwort.
Was hat sich für Neobroker-Kunden geändert?
Die Neobroker haben sich unterschiedlich auf das Verbot vorbereitet. Der wichtigste Trend: Statt Orders an fremde Handelsplätze zu leiten und dafür bezahlt zu werden, betreiben die großen Anbieter jetzt eigene Handelsplätze und verdienen dort selbst am Spread. Für dich als Kunde ändert sich dadurch an der Oberfläche wenig, die Gebührenmodelle sind weitgehend erhalten geblieben.
| Broker | Reaktion auf das PFOF-Verbot | Was das für dich bedeutet |
|---|---|---|
| Scalable Capital* | Eigener Handelsplatz EIX (European Investor Exchange) mit der Börse Hannover, bereits seit Ende 2024; Scalable tritt dort selbst als Market Maker auf | Handel über EIX weiterhin günstig, andere Handelsplätze kosten mehr; Sparpläne bleiben gebührenfrei |
| Trade Republic* | Eigenes Handelssystem (BaFin-Zulassung Januar 2026), Orders werden seit Juli 2026 selbst ausgeführt statt über die LS Exchange | Weiterhin 1 € Fremdkostenpauschale pro Order, ETF- und Aktiensparpläne bleiben gebührenfrei |
| justTRADE* | Ausführung über LS Exchange und Tradegate für 1 € pro Order, an anderen Handelsplätzen 2,90 € | Sparpläne bleiben gebührenfrei; die BaFin hat das Modell der Ausgleichszahlungen allerdings kritisch bewertet |
| finanzen.net zero* und Smartbroker+* | Handel über gettex, neue Kostendarstellung mit Bonifizierung seit März 2026 | Orders ab 500 € weiterhin ohne Orderentgelt, darunter 1 €; auch hier prüft die BaFin, ob das Modell so zulässig ist |
Die BaFin hat im Juli 2026 in einer Mitteilung klargestellt, dass eigene Handelsplätze und die Ausführung als Market Maker zulässig sind, während sie bei Modellen mit Bonifizierungen oder Ausgleichszahlungen von den Handelspartnern eine unzulässige Umgehung des Verbots sieht. Bei einigen Brokern kann es deshalb noch einmal Anpassungen geben.
Die konkreten Konditionen ändern sich erfahrungsgemäß häufiger, deshalb lohnt sich vor dem nächsten Kauf ein Blick ins aktuelle Preis- und Leistungsverzeichnis deines Brokers. Meine Erfahrungen mit den einzelnen Anbietern findest du in meinen Erfahrungsberichten zu Trade Republic und Scalable Capital.
Was können Privatanleger tun?
Ehrlicherweise: nicht viel, und das ist auch gar nicht nötig. Für die typische Buy-and-Hold-Strategie mit Sparplänen und gelegentlichen Einzelkäufen hat das Verbot kaum spürbare Folgen. Ein paar Dinge kannst du trotzdem beachten:
- Während der Xetra-Handelszeiten handeln (9 bis 17:30 Uhr). Dann sind die Spreads an allen Handelsplätzen am engsten, egal ob mit oder ohne PFOF.
- Limit-Orders nutzen, besonders bei weniger liquiden Aktien oder größeren Beträgen. So legst du den maximalen Kaufkurs selbst fest.
- Den Ausführungskurs vergleichen. Ein kurzer Blick auf den Xetra-Kurs zum Zeitpunkt deiner Order zeigt dir, ob der Spread an deinem Handelsplatz in Ordnung war.
- Sparpläne einfach weiterlaufen lassen. Bei kleinen monatlichen Beträgen fällt ein minimal weiterer Spread praktisch nicht ins Gewicht.
Über das Thema habe ich auch in Folge 53 des Aktiengram Podcasts gesprochen, damals noch mit Blick auf das kommende Verbot. Interessant ist, wie viele der damaligen Befürchtungen sich nicht bewahrheitet haben.
Häufige Fragen zu Payment for Order Flow
Payment for Order Flow (PFOF) bezeichnet Rückvergütungen, die ein Broker von einem Handelsplatz oder Market Maker dafür erhält, dass er die Orders seiner Kunden dorthin weiterleitet. Der Market Maker verdient am Spread und gibt einen Teil davon an den Broker ab.
Ja. Seit dem 1. Juli 2026 ist Payment for Order Flow in der gesamten EU verboten. Grundlage ist die überarbeitete Finanzmarktverordnung MiFIR. Deutschland hatte zuvor die maximal mögliche Übergangsfrist bis zum 30. Juni 2026 genutzt.
Nach aktuellem Stand nicht. Trade Republic führt Orders seit Juli 2026 über ein eigenes Handelssystem aus und behält die Fremdkostenpauschale von 1 € pro Order bei. ETF- und Aktiensparpläne bleiben gebührenfrei.
Scalable Capital hat schon Ende 2024 mit der Börse Hannover einen eigenen Handelsplatz gestartet, die European Investor Exchange (EIX), und tritt dort selbst als Market Maker auf. Der Handel über EIX bleibt günstig, andere Handelsplätze kosten mehr.
Untersuchungen von Stiftung Warentest und BaFin kamen zu dem Ergebnis, dass Privatanleger mit kleinen Orders während der Handelszeiten von den niedrigen Gebühren unterm Strich profitiert haben. Nachteile gab es vor allem bei großen Orders und außerhalb der Xetra-Zeiten.
Der Artikel erschien erstmalig im Juli 2023 und wurde zuletzt im September 2026 aktualisiert.
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📕 Dieser Beitrag ist Teil des Aktiengram Börsenlexikons.
Hier findest du zahlreiche Begriffserklärungen, möglichst einfach und mit Beispielen beschrieben.


Super zusammengestellt, danke! Ich frage mich warum die Lobby bzw Deutsche Börse oder Xetra nicht einfach auch an PFOF teilnehmen und davon profitieren
Ich habe das Interview bei Alles auf Aktien noch nicht gehört, gehe aber davon aus, dass es dem von Finance Forward ähnelt. Was ganz interessant war.
https://financefwd.podigee.io/196-financefwd-194-mit-scalable-capital-grunder-erik-podzuweit
Vielleicht könnten sich ja die Finfluenzer zusammentun und einen Musterbrief erstellen den man den netten Herren und Damen der EU zukommen lassen könnte
Die ganzen jahre wurde versucht den deutschen die aktie schmackhaft zu machen. Es war schon ein guter anfang wenigstens mit kleinen ordergebühren den aktienkauf interessant zu machen. Aber wie man sieht entgeht durch diese neo brocker den etablierten banken eine menge geld. Ein schelm wer böses dabei denkt
Bruno
Es gibt nun eine Petition! https://www.change.org/p/payment-for-order-flow
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