Es wird wieder Zeit für eine ETF-Vorstellung! Den Vanguard ESG Global All Cap hatte ich mir 2021 auf Wunsch eines Abonnenten zum ersten Mal angeschaut, damals war er gerade erst aufgelegt. Fünf Jahre später ist er ein etabliertes Produkt mit knapp 1,9 Mrd. US-Dollar Volumen, und es lohnt sich ein neuer Blick: Was fliegt durch den ESG-Filter eigentlich raus, und was bedeutet das für die Rendite?
Der Index dahinter
Abgebildet wird der FTSE Global All Cap Choice Index. Ausgangspunkt ist der FTSE Global All Cap, also Large, Mid und Small Caps aus Industrie- und Schwellenländern. Aus diesem Stammindex entfernt FTSE anschließend Unternehmen nach bestimmten Ausschlusskriterien. Übrig bleiben rund 8.267 Titel, von denen der ETF aktuell 5.621 hält.
- Thesaurierende Variante: ISIN: IE00BNG8L278, WKN: A2QL8U (Auflagedatum: 23. März 2021)
- Ausschüttende Variante: ISIN: IE00BNG8L385, WKN: A2QL8V (Auflagedatum: 23. März 2021)
Was durch den ESG-Filter fällt
2021 hatte ich geschrieben, dass ich das ESG-Kriterium schwer einzuordnen finde. Inzwischen weist Vanguard genau aus, was aus dem Stammindex entfernt wird, und das macht es deutlich greifbarer:
| Kategorie | Ausgeschlossene Unternehmen | Anteil am Stammindex | Beispiele |
|---|---|---|---|
| Nicht erneuerbare Energien | 1.343 | 14,21 % | Berkshire Hathaway, ExxonMobil, Chevron, Caterpillar |
| Waffen | 401 | 4,80 % | Walmart, Palantir, General Electric, RTX |
| Kontroversen | 88 | 3,43 % | Johnson & Johnson, Walmart, Tencent, HSBC |
| Unethische Produkte | 405 | 1,46 % | Philip Morris, LVMH, Altria, AB InBev |
Ein Unternehmen kann in mehreren Kategorien landen, die Zahlen lassen sich also nicht einfach addieren. Trotzdem sieht man: Der größte Hebel sind die nicht erneuerbaren Energien, und dahinter stecken nicht nur Ölkonzerne, sondern auch Mischkonzerne wie Berkshire Hathaway. Walmart fällt übrigens raus, weil dort Schusswaffen verkauft werden.
Aktuelle Top 10 Aktien
Die Top 10-Positionen machen rund 26,4 % des ETFs aus. Alphabet taucht dabei zweimal auf, weil die A- und die C-Aktien getrennt geführt werden.
| Platz | Logo | Name | ISIN | Gewichtung |
|---|---|---|---|---|
| 1 | NVIDIA | US67066G1040 | 5,34% | |
| 2 | Apple | US0378331005 | 4,74% | |
| 3 | Microsoft | US5949181045 | 3,91% | |
| 4 | Amazon | US0231351067 | 2,61% | |
| 5 | Alphabet (Class A) | US02079K3059 | 2,07% | |
| 6 | Taiwan Semiconductor | TW0002330008 | 1,91% | |
| 7 | Broadcom | US11135F1012 | 1,79% | |
| 8 | Alphabet (Class C) | US02079K1079 | 1,63% | |
| 9 | Meta Platforms | US30303M1027 | 1,31% | |
| 10 | Micron Technology | US5951121038 | 1,12% |
Top 10 Länder
Die Top-10 Länder machen rund 88,9 % des ETFs aus.
| Platz | Flagge | Name | Gewichtung |
|---|---|---|---|
| 1 | USA | 63,79% | |
| 2 | Japan | 5,92% | |
| 3 | Taiwan | 4,11% | |
| 4 | Südkorea | 2,68% | |
| 5 | China | 2,60% | |
| 6 | Kanada | 2,36% | |
| 7 | Vereinigtes Königreich | 2,24% | |
| 8 | Schweiz | 1,96% | |
| 9 | Deutschland | 1,81% | |
| 10 | Indien | 1,44% |
Sektoren
Achtung beim Vergleich mit anderen Vorstellungen hier im Blog: FTSE nutzt die ICB-Klassifikation und nicht GICS. Die Kategorien heißen deshalb etwas anders.
| Platz | Icon | Name | Gewichtung |
|---|---|---|---|
| 1 | 💻 | Technologie (Technology) | 38,60% |
| 2 | 💰 | Finanzwesen (Financials) | 16,80% |
| 3 | 🚗 | Nicht-Basiskonsumgüter (Consumer Discretionary) | 12,50% |
| 4 | 🏥 | Gesundheitswesen (Health Care) | 9,60% |
| 5 | 🏭 | Industrie (Industrials) | 8,40% |
| 6 | 📡 | Telekommunikation (Telecommunications) | 3,90% |
| 7 | 🍔 | Basiskonsumgüter (Consumer Staples) | 3,70% |
| 8 | ♻️ | Grundstoffe (Basic Materials) | 3,10% |
| 9 | 🏠 | Immobilien (Real Estate) | 2,70% |
| 10 | ⚡️ | Versorgungsunternehmen (Utilities) | 0,60% |
| 11 | 🔋 | Energie (Energy) | 0,10% |
Stand: 31. August 2026, Quelle: Vanguard
Hier zeigt sich die Kehrseite des Filters am deutlichsten: Energie ist mit 0,1 % praktisch verschwunden, Versorger liegen bei 0,6 %. Dafür steigt der Technologieanteil auf 38,6 %, beim ungefilterten FTSE All-World sind es 34,1 %. Wer ESG kauft, kauft also automatisch mehr Tech-Klumpenrisiko mit.
Ausschüttungspolitik
Die ausschüttende Variante zahlt quartalsweise aus, die thesaurierende legt alle Erträge automatisch wieder an. Vanguard weist im Datenblatt eine Dividendenrendite des Portfolios von 1,4 % aus. Diese Zahl bezieht sich auf die enthaltenen Aktien und nicht auf den ETF selbst.
Sparplanfähigkeit & Überblick
Der Fonds verwaltet rund 1,86 Mrd. US-Dollar, davon 1,22 Mrd. in der thesaurierenden Anteilsklasse. Damit ist die Sorge aus 2021, der ETF könnte mangels Nachfrage wieder geschlossen werden, erledigt. Sparplanfähig ist er bei über 20 Brokern, zum Beispiel bei Scalable Capital*.
Die wichtigsten Eckdaten:
- TER: 0,24 % p. a.
- Replikation: physisch, optimiert (Sampling)
- Anzahl Positionen: 5.621
- Fondsdomizil: Irland
- Fondswährung: USD
- SFDR: Artikel 8
- Mindestkapitalbeteiligungsquote: 85 %, damit gilt die Teilfreistellung von 30 %
Vergleich zum FTSE Global All-Cap und FTSE All-World
Der spannendste Vergleich ist der mit dem ungefilterten Pendant. Der Vanguard FTSE Global All-Cap nimmt dieselben Small Caps mit, verzichtet aber auf den ESG-Filter und kostet mit 0,07 % nur ein Drittel.
Bei der Rendite lohnt ein Blick auf den ungefilterten FTSE All-World, den es schon länger gibt. Über fünf Jahre kommt der ESG Global All Cap auf 9,79 % pro Jahr, der All-World auf 10,90 %, beides laut Vanguard in US-Dollar zum 31. August 2026. Der Unterschied entstand vor allem 2022, als Energiewerte stark liefen und der ESG-Filter genau diese Aktien ausgeschlossen hatte. Im letzten Jahr lagen beide dagegen fast gleichauf.
Fazit
Der Vanguard ESG Global All Cap ist ein sauber gebauter Welt-ETF für alle, denen Nachhaltigkeitskriterien wichtig sind. Man sollte nur wissen, was man bekommt: keine Öl- und Gaskonzerne, keine Waffen, keinen Tabak, dafür einen noch höheren Technologieanteil und etwas höhere Kosten. Ob einem das den Aufpreis wert ist, ist eine Werte-Entscheidung und keine Renditefrage.
Häufige Fragen zum Vanguard ESG Global All Cap
Ausgeschlossen werden Unternehmen aus den Bereichen fossile Energien und Kernenergie, Waffen, Tabak, Alkohol, Glücksspiel und Erwachseneninhalte sowie Unternehmen mit schweren Kontroversen. Laut Vanguard fallen dadurch unter anderem Berkshire Hathaway, ExxonMobil, Walmart, Philip Morris und Johnson & Johnson aus dem Index.
Die thesaurierende Variante (IE00BNG8L278) legt alle Erträge automatisch wieder an, die ausschüttende (IE00BNG8L385) zahlt quartalsweise aus und passt damit zu allen, die Fans von Ausschüttungen sind. An den Kosten liegt es nicht: Beide Varianten kosten 0,24 % pro Jahr.
Über fünf Jahre lag er laut Vanguard mit 9,79 % pro Jahr etwas hinter dem FTSE All-World mit 10,90 %, vor allem wegen des Energiebooms 2022. In anderen Jahren lagen beide nahezu gleichauf. Ob sich der ESG-Filter lohnt, ist deshalb eher eine Frage der eigenen Werte als der Rendite.
Der Artikel erschien erstmalig im Mai 2021 und wurde zuletzt im September 2026 aktualisiert.
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Hi Lisa,
habe für mein Enkelkind ein Sparplan ( seit gut 2 Jahre ) in den Vanguard ETF.
Bei den ESG Kriterium sehe ich es auch ein wenig „schwammig“.
Bin gespannt wie der Vergleich zum FTSE All World in ein paar Jahren verläuft.
Mach weiter so, Lisa.
Gruß
Thorsten