Im heutigen Artikel geht es um den Werdegang von Oliver, einem Blogger-Kollegen, der zusammen mit Lukas den Instagram-Account CashCocktail betreibt. In dieser persönlichen Geschichte beschreibt er seine ersten Berührungspunkte mit dem Thema Sparen und später den Weg zu seinem ersten Investment an der Börse. Abschließend beantwortet er den Satz „So würde ich heute mit dem Investieren beginnen!“.

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Der Start

Meine Investment-Geschichte beginnt 1990 klassischer Weise mit dem Sparbuch. Damals noch mit rund 3% verzinst zum Start gar nicht so verkehrt. Zugang zu Aktien oder gar zu ETFs war noch keine valide Option. Auch ein Juniordepot gab es zu dieser Zeit noch nicht. Der DAX z.B. wurde erst am 01.07.1988 eingeführt. Der amerikanische Markt war gedanklich weit entfernt und auch gerade meine Eltern hatten keinerlei Bezug zu Aktien oder Börse.

Die Gedanken drehten sich darum, ein Eigenheim zu beziehen und zu erhalten; plus natürlich um den Hauptjob und die Erziehung eines 5-jährigen. So einfach wie heute war es damals nicht Aktien zu kaufen und zu verwalten. Auch generell war das Thema noch nicht so präsent. Und so wanderten seitdem überschüssige Geburtstagsgelder, Geschenke von Oma und Opa, und erspartes Taschengeld auf das Sparbuch. Mit Geld konnte ich schon frühzeitig gut umgehen (z.B. Einteilen und Ansparen von Geld). So sammelte ich z.B. die damals eher seltenen 5 deutsche Mark Scheine.

Als Jugendlicher

Die Kinderjahre sind natürlich jetzt erstmal nicht so spannend in Sachen Geldanlage (außer die Eltern starten -wie heute möglich-direkt zur Geburt ein Juniordepot). Dennoch sind die ersten Berührungspunkte zum Thema Finanzen und das Elternhaus doch prägend.

Am 18. November 1996 kamen die Aktien der deutschen Telekom in den Handel. Die Telekom inszenierte dafür in den Medien eine bis dahin beispiellose Werbekampagne mit Manfred Krug als Galionsfigur. Die T-Aktie wurde vor allem den Privatanlegern als sogenannte Volksaktie angepriesen. Die Werbeaktion hatte einen durchschlagenden Erfolg. Auch mein Großvater war angetan und investierte. Ich bekam dies am Rande mit, auch wie mein Opa über einen PC mit Internetzugang die Kurse beobachtete oder per Telefon Aktien orderte. Ich fand das Thema sehr spannend. (Die Aktie stieg ja tatsächlich bis Anfang März 2000 auf umgerechnet 103€ / Emissionskurs waren 28,50DM (14,57 Euro)).

Neben der deutschen Telekom kaufte mein Opa noch weitere deutsche Werte wie z.B. Lufthansa und den Frankfurter Flughafen Fraport. Leider hielt diese gesamte Phase rund um den neuen Markt nicht allzu lange an. Und so bekam ich über Bande bedauerlicherweise auch die aufkommende Abneigung zum Aktienmarkt in den Jahren 2001 und 2002 mit. Viele Stimmen wurden laut, dass das ja nur „Gezocke“ sei und wie viel Geld damit bei vielen Anleger verloren wurde. So verschwand das Thema Aktien wieder aus meinem Alltag (auch wenn mein Opa seine Aktien nie veräußerte, sondern am Ende meinem Vater vererbt hat).

Die einzige valide Möglichkeit blieb so nur das Tages- und Festgeld. Daneben wurde in den Jahren um die Volljährigkeit noch eine kapitalbildende Lebens- und Rentenversicherung und ein Bausparvertrag abgeschlossen und ab da lange (10 Jahre) „bespart“.

Der Button „Depot eröffnen“ bei meinem online Festgeldanbieter sah für mich immer wieder verlockend aus. Aber war belastet durch mein Umfeld und derer gemachten Erfahrungen und somit quasi „das Tor zur Hölle“, welches nicht mehr betreten werden durfte.

Die Entwicklung

In meinem Studium wurde das Interesse an Aktien dann neu geweckt. Denn wir starteten dort ein „Aktienspiel“. Jeder wurde mit Fantasiegeld iHv 10.000€ ausgestattet und sollte anhand der aktuellen Börsenseite in der Tageszeitung in Excel ein Portfolio aus Aktien zusammenstellen und nach 6 Monaten würde abgerechnet werden, wer den meisten Wertzuwachs geschafft habe. Und so verfolgte ich jeden Tag die Entwicklung „meiner“ Aktien und konnte am Ende auf Platz 3 von 28 Teilnehmer abschneiden. Dennoch, der Schritt zum persönlichen Depot war immer noch nicht geschafft.

In einem Bankberatungsgespräch -wir sind im Jahr 2012- (als wieder Festgeld ausgelaufen war) kam ich in Berührung mit Fonds. Und da diese ja Aktien enthielten, war ich sehr Interessiert und investierte am Ende In 3 verschiedene Fonds.

Einen defensiven Immobilienfonds (quasi die Abwehr). Einen aus Anleihen und Dividendenaktien bestehenden ausgeglichenen Fonds (Mittelfeld) und einen aggressiven „Angriffsfonds“ aus Wachstumswerten. Die Fußballsemantik stammt aus dem „Verkaufsgespräch“ des

Bankberaters. Über Gebühren, Ausgabeaufschläge etc. machte ich mir zu diesem Zeitpunkt keine Gedanken (die kapitalbildenden Versicherungen liefen ja parallel auch noch weiter).

Das Erwachen

Das „schöne“ bei Fonds ist, Du bekommst am Ende des Jahres auch immer einen Jahresbericht, wo Dich der Fondsmanager auf dem Titelblatt angrinst und Dir im Heft beschrieben wird, wie toll doch all seine Entscheidungen ausgefallen sind. Bei mir kam die Frage auf: Warum grinst dieser Typ nur immer?!

Parallel wurden ETFs auch immer präsenter und dass hier die Gebühren sehr gering seien. Gebühren? Klar, der Bankberater hatte auch etwas von Gebühren erwähnt, aber wie hoch sollten diese schon sein. Ich beschloss all meine Verträge, sei es Lebens-, Rentenversicherung, Bausparvertrag und Fondsabschlüsse bzgl. Gebühren durchzugehen. Und hier fiel nun schlussendlich der Groschen. Ich stellte fest wieviel meiner Performance für laufende und einmalige Kosten in den Jahren draufgegangen war. Dass der Fondsmanager auch seinen Salär erhält, wenn die Rendite des Fonds negativ ist und schlimmer noch insgesamt meine Fonds schlechter abschnitten als dieser bekannte MSCI World ETF, der nur einen Bruchteil der Ifd. Kosten hatte wie all meine Investments.

Ich beschloss Tabula rasa zu machen. Alle „Investment-Versicherungen“ und „Fonds“ zu beenden / verkaufen und neu zu starten.

Der Neustart

Ich baute mir eine Basis aus ETFs auf. Nach Recherche schien hier ein Mix aus MSCI World ETF und Emerging Markets ETF gut zu funktionieren. Ich fand aber auch noch Indien als Wachstumsmarkt spannend. So ergab sich eine 60% World / 30% EM / 10% Indien Aufteilung bei den ETFs. (zusätzlich zu Einzelkäufen dauerhaften Sparplan angelegt).

Die kostengünstige Grundlage war geschaffen. Weil mich aber das Thema Einzelaktien auch nicht losließ überlegte ich mir eine Strategie, wie ich hier bei der Auswahl vorgehen könnte. Damit eine Aktie ins Depot aufgenommen werden durfte, musste das Unternehmen folgende Kriterien erfüllen:

  • hohe Eigenkapitalquote (über 30%)
  • die Dividende musste auch in Krisenjahren ausgezahlt
    worden sein (z.B. 2001 / 2008)
  • die Dividendenzahlung muss aus dem freien Cashflow
    bezahlbar sein
  • ich muss das Geschäftsmodell verstehen

Den Fokus legte ich bewusst auf Dividendenaktien, da ich inzwischen verheiratet war und immer die Überlegung im Kopf war, wie gleichen wir das Gehalt aus, wenn meine Frau mit Kind zu Hause bleibt. So wollte ich hier eine solide Basis aus Dividendenzahlung erschaffen.

Die Fehler

Natürlich unterliefen mir seitdem auch einige Fehler, die Du nicht machen musst. Angefangen von den überteuerten kapitalbildenden Versicherungen hin zu den gezahlten Ausgabeaufschlägen bei Fonds gab es aber noch schlimmere.

So überkamen mich auch genau die Versuchungen, zu denen wir häufiger Nachrichten erhalten. Hebelprodukte (Ko-Zertifikate) auf Einzelaktien oder Indizes. Beliebter weise noch vor Quartalszahlen. So kann ich mich noch genau daran erinnern, wie ich am Morgen des Wirecard-Skandals mit Handy, Geld im Ko-Zertifkat auf steigende Kurse auf Wirecard auf der Toilette hockte und zusah wie dieser Teil meines Geldes wertlos wurde. Der Zugang genau zu solchen „Investements“ ist heutzutage sehr leicht und man wird schnell dazu verleitet.

Auch die Infos und die Rendite von anderen zu gehypten Aktien oder auch Memecoins lässt doch immer wieder FOMO aufkommen. Ebenfalls hier habe ich im damaligen Kryptohype in das ein oder andere Altcoinprojekt Geld versenkt. Daher jetzt abschließend meine Hinweise zu „Wie würde ich heute mit dem Investieren beginnen!“

Ideen

  • keine überteuerten Versicherungsprodukte abschließen
  • auch keine Bausparverträge (weitere Hintergründe dazu haben wir auch im Podcast mit @finanzrebellen erörtert)
  • keine teuren Fonds über Bankberater ins Portfolio aufnehmen
  • soilde Basis mit ETFs schaffen. Das müssen nicht eine Vielzahl von ETFs sein. Auch keine Branchen-ETFs. Am Ende reicht tatsächlich ein All-World ETF. Auch meine Strategie mit 3 ETFs ist nicht besser oder schlechter als eine All-World ETF Strategie. Simpel und einfach ist hier meist kostengünstiger und effizienter.
  • Einzelaktien nur, wenn Dich das Thema an sich interessiert und Du mit Recherche Zeit verbringen möchtest. Das kann natürlich auch insgesamt Deinen Spaß am Investieren steigern
  • keine Zockerein mit Deinem Geld (sei es Hebelprodukte, oder FOMO Aktien- Kryptokäufe)
  • erstelle die eine persönliche Strategie für Deine Investments, die Du auch in schlechten Börsenzeiten durchhältst

Oliver Stöhring

Oliver Stöhring

Dieser Artikel wurde von Oliver Stöhring verfasst. Oliver ist Diplom-Finanzwirt und arbeitet als Groß- und Konzernbetriebsprüfer. Außerdem betreibt er seit Juni 2020 mit einem Partner den Instagram Kanal „@CashCocktail“ und berichtet dort über spannende Inhalte zu den Themen Finanzen, Aktien, ETFs und Börse.

Gastautor

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