“Mehr Freiheit durch Aktien” | Interview im Aktienmagazin

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Vorgestern wurde mein Interview im Aktienmagazin veröffentlicht. Hier kommt ihr zum Artikel. 🙂

Liebe Leser, bei Instagram hat sich vor allem in letzter Zeit viel rund um das Thema Börse, Finanzen und Aktien getan. In den letzten Jahren hat sich dort eine schnell wachsende Community- und Influencer-Szene entwickelt. Wir vom Aktien Magazin folgen mit unserem eigenen Account mehreren 100 Instagram-Accounts, die sich hauptsächlich mit dem Thema Börse beschäftigen. Lisa, unsere heutige Interviewpartnerin, betreibt aktiv den Account “Aktiengram”. Sie ist seit 2011 an der Börse aktiv und beruflich im IT-Bereich tätig. Mit Ihren kreativen und informativen Postings begeistert sie täglich fast 30.000 Follower. Zusätzlich zu Aktien-Vorstellungen erklärt sie Begriffe rund um das Thema Börse. Wir sagen: Respekt vor diesem Instagram-Account!

Aktienmagazin

Interview mit Alexander Kelm

Heute gibt es mal wieder ein Interview. Alexander Kelm stellt sich vor. 🙂

1. Erzähle den Lesern ein wenig über dich, wie alt bist du was arbeitest du und womit beschäftigst du dich hauptsächlich in deinem Leben? (Abseits der Börse.)

Hallo Lisa, ja sehr gerne. Mein Name ist Alexander Kelm, leidenschaftlicher Value Investor und betreibe die Website Kelm Investment. Ich bin 32 Jahre alt, glücklich verheiratet und lebe in Münster (Westf.). Hauptsächlich beschäftige ich mich in meinem Leben mit Unternehmen und Startups. Ich bin nicht nur Investor und Unternehmer, sondern auch Startup Consultant.
Mir macht es sehr viel Spaß ehrgeizige und kreative Menschen bei ihren Projekten zu helfen und mitgestalten zu dürfen. Ich verreise gern. Mich kann man an vielen Startup-Hotspots in Europa finden oder in Spanien zusammen mit meiner Frau.

2. Wie bist du zum Thema Aktien, Investieren und der Börse gekommen?

In meiner Kindheit wollte ich immer Archäologe werden und verborgene Schätze finden, wie es mein Kindheitsidol Indiana Jones tat. Heute suche ich verborgene Schätze an einem anderen Ort als im Dschungel und zwar an den Finanzmärkten. Wie bin ich auf das Thema Aktien gekommen? Im Jahre 2008, das Jahr der letzten Finanzkrise, wollte ich unbedingt herausfinden, was passiert ist. Ich stellte meine eigenen Analysen und Recherchen an und entdeckte, dass die Investmentbanken eine Katastrophe verursacht hatten, die unsere Zivilisation kurz vor den Zusammenbruch gebrachte hätte. In dieser Zeit behielt ein weiser Mann aus Omaha, Nebraska Ruhe und investierte in solide Unternehmen, die gerade günstig zu erwerben waren. Das inspirierte mich und ich wollte mehr über diesen Mann und seine Methode erfahren. Dieser Mann heißt Warren Buffett. Ich lass die Biografie über ihn und hörte zum ersten Mal den Begriff Value Investing und über den Urvater dieser Investmentmethode namens Benjamin Graham. Ich fand heraus, dass Benjamin Graham zwei Bücher geschrieben hatte. „Intelligent investieren und die Wertpapieranalyse.“ Beide Bücher kaufte ich mir und versuchte meinen neu gefundenen Idolen nachzueifern. Nach einiger Zeit verstand ich die Thematik und konnte dank meiner analytischen Fähigkeiten und durch logisches Denken, ebenfalls gute Renditen erwirtschaften.

3. Verfolgst du eine Investitionsstrategie und was findet man hauptsächlich in deinem Depot? (Setzt du nur auf gewisse Branchen oder bist du sehr diversifiziert?)

Ja, auf jeden Fall verfolge ich eine Investitionsstrategie, das rate ich jeden Anleger zu tun. Meine Strategie ist ein Mix aus Value Investing und Growth Investing oder besser gesagt smartes Investieren. Vorgehensweise besteht darin, das Unternehmen buchstäblich auf Herz und Nieren zu prüfen. Ich nehme es auseinander und analysiere nicht nur die Geschäftsberichte der letzten 10 Jahre, sondern auch das Drumherum. Die Konkurrenz und das Management an sich, sind wichtige Punkte, die ein Anleger auch analysieren sollte. Das Unternehmen muss ich verstehen. Ich muss mich in das Unternehmen hineinversetzen und die Geschäftsprozesse nachvollziehen können. Das ist sehr wichtig. Und am Ende möchte ich es zu einem für mich akzeptablen Preis kaufen.

Zurzeit habe ich nur Unternehmen aus den Finanzsektor in meinem Depot. Da ich deren Geschäftsmodelle gut verstehe und weil ich auch eine Zeit lang im Bankensektor gearbeitet habe, konnte ich mir ein solides Wissen über diese Branche aneignen. Vor Weihnachten habe ich von dem Unternehmen Canadian National Railway getrennt, da sie mir überbewertet schien. Aber ich konnte etwas Kasse machen (132% Profit innerhalb von 3 Jahren; warum? Es hat niemand beachtet. Es ist ein langweiliges Unternehmen. Aber ich mag diese langweiligen Geschäftsmodelle, weil diese, beständig Geld verdienen) und bin im Moment auf der Suche nach dem nächsten Kaufobjekt. Von Diversifikation im großen Stil wie ETFs oder 30 Unternehmen in einem Portfolio halte ich persönlich nicht viel. Ich bin eher der Typ, der hamstert und maximal 10 verschiedene Positionen hält. Der Grund ist, dass der Aufwand über alle Unternehmen, die sich in meinem Portfolio befinden im Grenzen halten sollen. Ich komme damit gut zurecht und bin glücklich mit dem bereits Erreichten.

4. Hast du einen Aktientipp oder verfolgst du gerade ein Unternehmen ganz
besonders? (Wenn ja, warum?)


Ich halte nicht viel von Aktientipps. Zu viele selbsternannte Gurus präsentieren jeden Tag neue Geheimtipps. Das wird sich wohl nie ändern. Gerne kann ich über ein Unternehmen berichten, mit dem ich mich im Moment beschäftige.
Und zwar… die New York Times. Boah schon wieder so ein langweiliges Unternehmen. Warum? Es ist wieder ein Unternehmen, das nicht im Rampenlicht steht, aber den Sprung aus der Old Economy in die New Economy geschafft hat. Das spiegelt sich besonders im Geschäftsmodell des Unternehmens wieder. The New York Times hat 30 Millionen Websitebesucher im Monat (wünsche ich mir ) und gehört somit zu den meistbesuchten Webseiten in den USA. Aber sie verdienen ihr Geld nicht nur durch Werbeanzeigen, sondern vertreiben Bücher, besitzen Bildungsinstitute, Immobilien und strategische Beteiligungen an anderen Unternehmen. Für mich persönlich ist die New York Times ein spannendes
Unternehmen!

5. Welche Informationsquellen oder Tools nutzt du um Aktien zu bewerten und auszuwählen?

Die Informationen für meine Analysen hole ich mir meistens über Yahoo Finance sowie von SEC (US-Börsenaufsicht). Besonders über die SEC kann ich mir die Rohdaten, wie Geschäftsberichte herunterladen und in meine Excel-Templates integrieren. Ein weiteres Tool was ich gerne nutze ist Finbox. Finbox bietet eine bequeme und unkomplizierte Plattform, die es Ihnen erlaubt, eine Überfülle an fundamentalen Aktiendaten zu durchforsten. Sie konzentriert sich auf zwei Hauptbereiche: die Ermittlung und Entwicklung von potenzialen Aktieninvestments (Ideas) und die Bewertung von Unternehmen (Ermittlung des Wertes). Es hilft mir sehr bei meinen Investmententscheidungen.

6. Wie kam es dazu, deinem Instagram Account (in deinem Fall evtl. auch deinen Blog) zu erstellen welche Motivation hast du und wo soll es für dich noch hingehen?

Den Instagram Account habe ich auf Bitten meiner Frau erstellt. Ich sollte mich mehr der Öffentlichkeit zeigen und meine Investmentphilosophie verbreiten. Aber genau dies mache ich hauptsächlich über meinen Blog und meinem Newsletter. Ich bin nicht der große Social Media Fan, wenn dann nutze ich LinkedIn.
Meine Motivation einen Blog zu erstellen, war einfach, dass ich den Drang hatte mich zu äußern. Ich möchte vor allem anderen Anleger helfen und Unterstützung anbieten, aber auch meine Philosophie über Aktieninvestments mit anderen zu teilen. Ich freue mich sehr, dass das Thema Aktien, auch hier in Deutschland an etwas mehr Bedeutung bekommt. Nur ist der Ansatz falsch. Es wird immer von dem schnellen Geld und wie ich mit welcher Aktie so oder so viel Geld verdient habe, geredet. Das ist Bullsh… es ist noch niemand in kurzer Zeit ohne genügend Eigenkapital über Nacht reich geworden. Leider sieht man diese Personen zu oft
auf Instagram, aber naja, jeder seins. Mein Ziel ist es mehr ehrgeizigen Personen, ein Rüstzeug oder Werkzeug auf dem Weg mitzugeben, um gute Aktieninvestments zu finden. Das ist der Kern meines Blogs bzw. meines Onlineauftritts.

7. Hast du eine Aktie in deinem Depot, die du niemals verkaufen würdest und hast du eine Lieblings Aktie?

Naja, schon irgendwie, obwohl ich gelernt habe keine Lieblingsaktie zu besitzen. Es ist die Bank of New York Mellon. Mit einem verwalteten Vermögen von 1,7 Billionen USD ist die Bank of New York Mellon einer der größten Vermögensverwalter der Welt. Das Unternehmen erwirtschaftet in erster Linie Erträge durch Investitionsdienstleistungen, einschließlich der Betreuung von Vermögenswerten und Emittenten, Finanzdienstleistungen, Clearing- und Collateral-Management sowie Vermögensverwaltung. Ich nenne die Bank gerne den Vermögensverwalter Amerikas, da es 400 Unternehmen aus der Fortune 500 Liste, 100 größten Stiftungen Amerikas und zwei Drittel der 1.000 größten Pensionsfonds betreut. Eine ausführliche Analyse ist auf dem Blog meiner Value Investor Kumpels zu finden – Bavarian Value.

Ob ich die Aktie niemals verkaufen würde, kann ich nicht sagen. Es kommt auf die
Entwicklung des Unternehmens im Ganzen an. Falls ich meine, dass es sich nicht mehr lohnt, das Unternehmen im Depot zu halten, dann verkaufe ich es und suche mir ein Neues!

Hiermit möchte ich mich herzlich für das Interview bedanken und wünsche allen Lesern und Anlegern einen schönen Tag und viel Erfolg beim Investieren!


Euer freundlicher Value Investor aus Münster

Vielen Dank für das Interview!

Interview mit Emma von Leeway

1. Erzähle den Lesern ein wenig über dich, wie alt bist du, wie sieht deine Arbeit aus und womit beschäftigst du dich hauptsächlich in deinem Leben? (gerne auch Abseits der Börse.)

Ich bin Emma, 24 Jahre alt und nach meinem Master in Management im letzten Jahr wieder zurück nach Berlin gezogen

Ich begeistere mich sehr für Marketing und Branding – und das nicht nur professionell sondern auch privat. Eine gute Marke liegt irgendwo an der Schnittstelle von Kunst und Wissenschaft. Da wird es teilweise sehr komplex: es geht darum, klar und überzeugend zu kommunizieren, eine Beziehung zu Menschen aufzubauen und tatsächlich Mehrwert zu erzeugen. Bei Leeway konzentrieren wir uns momentan darauf, Erklärungen und Einstiegshilfen für den Aktienhandel zu produzieren und zu veröffentlichen. Gleichzeitig versuche ich natürlich auch, uns in der Berliner Startup-Szene weiter zu etablieren. Das heißt, viel networken und pitchen. 

Gerade weil ich mich so für meine Arbeit begeistere, nimmt sie gerade einen Großteil meiner Zeit ein (auch in meiner Freizeit unterstütze ich gerne Freunde und Bekannte bei deren Projekten). 

2. Wie bist du zum Thema Aktien, Investieren und der Börse gekommen? (ggf. auch zu deinem Beruf)

2018 haben meine derzeitigen Partner nach einem Cofounder und Marketing Manager für ihr Startup gesucht. Damals hatte ich gerade meinen Bachelor in Kommunikation abgeschlossen und schon Erfahrung als freie Kommunikationsberaterin gemacht. Mit dem Thema Aktien war ich bis dahin allerdings noch gar nicht in Berührung gekommen. 

Bei Leeway, unserem Unternehmen, handelt es sich um ein Fintech. Wir bieten algorithmen-basierte Aktienanalysen für Privatanleger und (semi)-institutionelle Kunden an. Das beinhaltet sowohl Fundamentalanalysen und Marktanalysen als auch Informationen zur Nachhaltigkeit von Unternehmen – alles auf einer Plattform. Unser Ziel war es von Anfang an, den Aktienhandel für Privatanleger zugänglicher zu machen und ihnen Tools für erfolgreiche Investitionsentscheidungen an die Hand zu geben. 

Ich arbeite mich seit inzwischen mehr als zwei Jahren Vollzeit in die Themen Aktien und Märkte ein und lerne fast jeden Tag dazu – eine Herausforderung aber gleichzeitig nicht nur eine Investition in mein Unternehmen sondern auch in meine eigene finanzielle Zukunft. 

3. Verfolgst du eine Investitionsstrategie und was findet man hauptsächlich in deinem Depot? (Setzt du nur auf gewisse Branchen oder bist du sehr diversifiziert?)

Wie die meisten Deutschen, bin ich ein eher konservativer Anleger. Ich investiere langfristig und halte einen Teil meines Geldes in sehr stabilen Finanzprodukten. Einen anderen Teil investiere ich in Aktien. Dabei wähle ich vor allem Unternehmen aus, die eine langfristig stabile Wertentwicklung aufweisen und ein Business Model haben, dass auch in einigen Jahren noch relevant sein wird. Sobald ich damals verstanden habe, wie viel Aufschluss einem hier eine Fundamentalanalyse (also eine Analyse der Finanzkennzahlen der Unternehmen) geben kann, habe ich dann tatsächlich angefangen, unser eigenes Tool zu benutzen. Das ist sehr intuitiv und ich muss nicht mehr in Jahresberichten und Bilanzen herumsuchen. Auch wenn ich mal einen „heißen Tipp“ von jemandem bekomme, schaue ich mir an, wie das Unternehmen fundamental aufgestellt ist. Wenn der große Boom dann ausbleibt, halte ich die Aktie eben länger und mache trotzdem stabile Renditen. Also kurz gesagt: diversifiziert in stabile Unternehmen investieren!

In letzter Zeit beschäftige ich mich übrigens auch immer mehr mit der Nachhaltigkeit von Unternehmen, also ESG-Faktoren. Ich glaube tatsächlich, dass das ein wichtiger Aspekt ist, wenn man langfristig Renditen optimieren und Risiken vermindern will – diese Meinung teilen übrigens große institutionelle Anleger wie BlackRock und auch die meisten anderen Fintech Gründer, mit denen ich mich unterhalte. 

4. Hast du einen Aktientipp oder verfolgst du gerade ein Unternehmen ganz besonders? (Wenn ja, warum?)

So wie wahrscheinlich viele von uns habe ich mich in letzter Zeit viel mit Unternehmen beschäftigt, die rund um die Covid-Thematik viel Aufmerksamkeit bekommen haben: Impfstoffproduzenten, Lieferdienste, Kommunikations-Software, etc. Das haben wir für unsere Nutzer ein wenig kritisch durchleuchtet. Und letzten Endes habe ich für mich selber entschieden, dass dieses kurzfristige, news-orientierte Investment nicht ganz mein eigener Stil ist. 

Einen konkreten Aktientipp habe ich nicht. Ich würde nur jedem raten, für sich zu evaluieren, ob er ein kurzfristiger oder langfristiger Anleger ist und sich dementsprechend eine Strategie zurechtzulegen, die zu ihm passt. 

5. Welche Informationsquellen oder Tools nutzt du um Aktien zu bewerten und auszuwählen?

Ich bin inzwischen sehr tief in der Berliner Startup-Szene vernetzt und spreche viel mit anderen Gründern aber auch Investoren und VCs. Gleichzeitig tauscht man sich natürlich auch mit anderen Anlegern aus. Daraus entsteht dann ein Gesamteindruck darüber, welche Themen, Branchen, Geschäftsmodelle oder auch Unternehmen in nächster Zeit an Relevanz gewinnen könnten. Meist höre ich mich dann noch ein wenig weiter um, lese ein paar Artikel, mache eine kleine Google-Recherche. Der letzte Schritt ist für mich allerdings immer die Fundamentalanalyse über unser Tool. Und natürlich frage ich dann auch mal bei unserem Analysten und profitiere ein bisschen von seinen Erfahrungen – vor allem, wenn es ums Timing geht. 

6. Wie kam es dazu, dass du beruflich in den Fintech-Bereich gegangen bist?

Wie gesagt, sind meine Kollegen damals auf mich zugekommen und ich habe die Chance ergriffen. Was mich dabei vor allem gereizt hat, war die große Verantwortung und Mitbestimmung, die ich so wahrscheinlich bei keinem größeren Arbeitgeber hätte übernehmen können. 

Meine Entscheidung, in das Fintech Segment einzusteigen bereue ich definitiv nicht. Hier ist in den letzten Jahren so viel passiert: Berlin hat sich als Standort stark entwickelt und es tauchen immer neue technische Möglichkeiten oder auch Themen wie jetzt zum Beispiel Nachhaltigkeit und Sustainable Finance auf. Es ist eine wirklich spannende Zeit! 

7. Hast du eine Aktie in deinem Depot, die du niemals verkaufen würdest und hast du eine Lieblings Aktie?

Ich glaube hier bin ich durch unseren sehr objektiven und analytischen Ansatz wenig prädestiniert, mich zu sehr an eine Aktie zu binden. Grundsätzlich würde ich jede Aktie verkaufen, wenn das objektiv die beste Entscheidung wäre – und der Zeitpunkt der richtige ist. 

Vielen Dank für das Interview – einen wirklich spannenden Weg gehst du da, liebe Emma!