Interview mit Alexander Kelm

Heute gibt es mal wieder ein Interview. Alexander Kelm stellt sich vor. 🙂

1. ErzĂ€hle den Lesern ein wenig ĂŒber dich, wie alt bist du was arbeitest du und womit beschĂ€ftigst du dich hauptsĂ€chlich in deinem Leben? (Abseits der Börse.)

Hallo Lisa, ja sehr gerne. Mein Name ist Alexander Kelm, leidenschaftlicher Value Investor und betreibe die Website Kelm Investment. Ich bin 32 Jahre alt, glĂŒcklich verheiratet und lebe in MĂŒnster (Westf.). HauptsĂ€chlich beschĂ€ftige ich mich in meinem Leben mit Unternehmen und Startups. Ich bin nicht nur Investor und Unternehmer, sondern auch Startup Consultant.
Mir macht es sehr viel Spaß ehrgeizige und kreative Menschen bei ihren Projekten zu helfen und mitgestalten zu dĂŒrfen. Ich verreise gern. Mich kann man an vielen Startup-Hotspots in Europa finden oder in Spanien zusammen mit meiner Frau.

2. Wie bist du zum Thema Aktien, Investieren und der Börse gekommen?

In meiner Kindheit wollte ich immer ArchĂ€ologe werden und verborgene SchĂ€tze finden, wie es mein Kindheitsidol Indiana Jones tat. Heute suche ich verborgene SchĂ€tze an einem anderen Ort als im Dschungel und zwar an den FinanzmĂ€rkten. Wie bin ich auf das Thema Aktien gekommen? Im Jahre 2008, das Jahr der letzten Finanzkrise, wollte ich unbedingt herausfinden, was passiert ist. Ich stellte meine eigenen Analysen und Recherchen an und entdeckte, dass die Investmentbanken eine Katastrophe verursacht hatten, die unsere Zivilisation kurz vor den Zusammenbruch gebrachte hĂ€tte. In dieser Zeit behielt ein weiser Mann aus Omaha, Nebraska Ruhe und investierte in solide Unternehmen, die gerade gĂŒnstig zu erwerben waren. Das inspirierte mich und ich wollte mehr ĂŒber diesen Mann und seine Methode erfahren. Dieser Mann heißt Warren Buffett. Ich lass die Biografie ĂŒber ihn und hörte zum ersten Mal den Begriff Value Investing und ĂŒber den Urvater dieser Investmentmethode namens Benjamin Graham. Ich fand heraus, dass Benjamin Graham zwei BĂŒcher geschrieben hatte. „Intelligent investieren und die Wertpapieranalyse.“ Beide BĂŒcher kaufte ich mir und versuchte meinen neu gefundenen Idolen nachzueifern. Nach einiger Zeit verstand ich die Thematik und konnte dank meiner analytischen FĂ€higkeiten und durch logisches Denken, ebenfalls gute Renditen erwirtschaften.

3. Verfolgst du eine Investitionsstrategie und was findet man hauptsÀchlich in deinem Depot? (Setzt du nur auf gewisse Branchen oder bist du sehr diversifiziert?)

Ja, auf jeden Fall verfolge ich eine Investitionsstrategie, das rate ich jeden Anleger zu tun. Meine Strategie ist ein Mix aus Value Investing und Growth Investing oder besser gesagt smartes Investieren. Vorgehensweise besteht darin, das Unternehmen buchstĂ€blich auf Herz und Nieren zu prĂŒfen. Ich nehme es auseinander und analysiere nicht nur die GeschĂ€ftsberichte der letzten 10 Jahre, sondern auch das Drumherum. Die Konkurrenz und das Management an sich, sind wichtige Punkte, die ein Anleger auch analysieren sollte. Das Unternehmen muss ich verstehen. Ich muss mich in das Unternehmen hineinversetzen und die GeschĂ€ftsprozesse nachvollziehen können. Das ist sehr wichtig. Und am Ende möchte ich es zu einem fĂŒr mich akzeptablen Preis kaufen.

Zurzeit habe ich nur Unternehmen aus den Finanzsektor in meinem Depot. Da ich deren GeschĂ€ftsmodelle gut verstehe und weil ich auch eine Zeit lang im Bankensektor gearbeitet habe, konnte ich mir ein solides Wissen ĂŒber diese Branche aneignen. Vor Weihnachten habe ich von dem Unternehmen Canadian National Railway getrennt, da sie mir ĂŒberbewertet schien. Aber ich konnte etwas Kasse machen (132% Profit innerhalb von 3 Jahren; warum? Es hat niemand beachtet. Es ist ein langweiliges Unternehmen. Aber ich mag diese langweiligen GeschĂ€ftsmodelle, weil diese, bestĂ€ndig Geld verdienen) und bin im Moment auf der Suche nach dem nĂ€chsten Kaufobjekt. Von Diversifikation im großen Stil wie ETFs oder 30 Unternehmen in einem Portfolio halte ich persönlich nicht viel. Ich bin eher der Typ, der hamstert und maximal 10 verschiedene Positionen hĂ€lt. Der Grund ist, dass der Aufwand ĂŒber alle Unternehmen, die sich in meinem Portfolio befinden im Grenzen halten sollen. Ich komme damit gut zurecht und bin glĂŒcklich mit dem bereits Erreichten.

4. Hast du einen Aktientipp oder verfolgst du gerade ein Unternehmen ganz
besonders? (Wenn ja, warum?)


Ich halte nicht viel von Aktientipps. Zu viele selbsternannte Gurus prĂ€sentieren jeden Tag neue Geheimtipps. Das wird sich wohl nie Ă€ndern. Gerne kann ich ĂŒber ein Unternehmen berichten, mit dem ich mich im Moment beschĂ€ftige.
Und zwar
 die New York Times. Boah schon wieder so ein langweiliges Unternehmen. Warum? Es ist wieder ein Unternehmen, das nicht im Rampenlicht steht, aber den Sprung aus der Old Economy in die New Economy geschafft hat. Das spiegelt sich besonders im GeschĂ€ftsmodell des Unternehmens wieder. The New York Times hat 30 Millionen Websitebesucher im Monat (wĂŒnsche ich mir ) und gehört somit zu den meistbesuchten Webseiten in den USA. Aber sie verdienen ihr Geld nicht nur durch Werbeanzeigen, sondern vertreiben BĂŒcher, besitzen Bildungsinstitute, Immobilien und strategische Beteiligungen an anderen Unternehmen. FĂŒr mich persönlich ist die New York Times ein spannendes
Unternehmen!

5. Welche Informationsquellen oder Tools nutzt du um Aktien zu bewerten und auszuwÀhlen?

Die Informationen fĂŒr meine Analysen hole ich mir meistens ĂŒber Yahoo Finance sowie von SEC (US-Börsenaufsicht). Besonders ĂŒber die SEC kann ich mir die Rohdaten, wie GeschĂ€ftsberichte herunterladen und in meine Excel-Templates integrieren. Ein weiteres Tool was ich gerne nutze ist Finbox. Finbox bietet eine bequeme und unkomplizierte Plattform, die es Ihnen erlaubt, eine ÜberfĂŒlle an fundamentalen Aktiendaten zu durchforsten. Sie konzentriert sich auf zwei Hauptbereiche: die Ermittlung und Entwicklung von potenzialen Aktieninvestments (Ideas) und die Bewertung von Unternehmen (Ermittlung des Wertes). Es hilft mir sehr bei meinen Investmententscheidungen.

6. Wie kam es dazu, deinem Instagram Account (in deinem Fall evtl. auch deinen Blog) zu erstellen welche Motivation hast du und wo soll es fĂŒr dich noch hingehen?

Den Instagram Account habe ich auf Bitten meiner Frau erstellt. Ich sollte mich mehr der Öffentlichkeit zeigen und meine Investmentphilosophie verbreiten. Aber genau dies mache ich hauptsĂ€chlich ĂŒber meinen Blog und meinem Newsletter. Ich bin nicht der große Social Media Fan, wenn dann nutze ich LinkedIn.
Meine Motivation einen Blog zu erstellen, war einfach, dass ich den Drang hatte mich zu Ă€ußern. Ich möchte vor allem anderen Anleger helfen und UnterstĂŒtzung anbieten, aber auch meine Philosophie ĂŒber Aktieninvestments mit anderen zu teilen. Ich freue mich sehr, dass das Thema Aktien, auch hier in Deutschland an etwas mehr Bedeutung bekommt. Nur ist der Ansatz falsch. Es wird immer von dem schnellen Geld und wie ich mit welcher Aktie so oder so viel Geld verdient habe, geredet. Das ist Bullsh
 es ist noch niemand in kurzer Zeit ohne genĂŒgend Eigenkapital ĂŒber Nacht reich geworden. Leider sieht man diese Personen zu oft
auf Instagram, aber naja, jeder seins. Mein Ziel ist es mehr ehrgeizigen Personen, ein RĂŒstzeug oder Werkzeug auf dem Weg mitzugeben, um gute Aktieninvestments zu finden. Das ist der Kern meines Blogs bzw. meines Onlineauftritts.

7. Hast du eine Aktie in deinem Depot, die du niemals verkaufen wĂŒrdest und hast du eine Lieblings Aktie?

Naja, schon irgendwie, obwohl ich gelernt habe keine Lieblingsaktie zu besitzen. Es ist die Bank of New York Mellon. Mit einem verwalteten Vermögen von 1,7 Billionen USD ist die Bank of New York Mellon einer der grĂ¶ĂŸten Vermögensverwalter der Welt. Das Unternehmen erwirtschaftet in erster Linie ErtrĂ€ge durch Investitionsdienstleistungen, einschließlich der Betreuung von Vermögenswerten und Emittenten, Finanzdienstleistungen, Clearing- und Collateral-Management sowie Vermögensverwaltung. Ich nenne die Bank gerne den Vermögensverwalter Amerikas, da es 400 Unternehmen aus der Fortune 500 Liste, 100 grĂ¶ĂŸten Stiftungen Amerikas und zwei Drittel der 1.000 grĂ¶ĂŸten Pensionsfonds betreut. Eine ausfĂŒhrliche Analyse ist auf dem Blog meiner Value Investor Kumpels zu finden – Bavarian Value.

Ob ich die Aktie niemals verkaufen wĂŒrde, kann ich nicht sagen. Es kommt auf die
Entwicklung des Unternehmens im Ganzen an. Falls ich meine, dass es sich nicht mehr lohnt, das Unternehmen im Depot zu halten, dann verkaufe ich es und suche mir ein Neues!

Hiermit möchte ich mich herzlich fĂŒr das Interview bedanken und wĂŒnsche allen Lesern und Anlegern einen schönen Tag und viel Erfolg beim Investieren!


Euer freundlicher Value Investor aus MĂŒnster

Vielen Dank fĂŒr das Interview!

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