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Kapitalmaßnahmen

Bezugsrechte bei ING

1. Juli 2026 · 0 Gedanken
Lisa Osada

von Lisa Osada

Wer OHB-Aktien im Depot hat, wird vermutlich Post von seiner Bank bekommen haben. Da das Thema Kapitalerhöhung und Bezugsrechte häufig für Verwirrung sorgt, schauen wir es uns am konkreten Beispiel meines ING-Depots* einmal an.

Was ist eigentlich passiert?

OHB führt eine sogenannte Kapitalerhöhung gegen Bareinzahlung durch. Vereinfacht gesagt: Das Unternehmen gibt neue Aktien aus, um frisches Geld einzusammeln. Für dich als bestehenden Aktionär bedeutet das zunächst eine Verwässerung. Wenn neue Aktien dazukommen, sinkt dein prozentualer Anteil am Unternehmen, sofern du nicht mitziehst. Genau um das auszugleichen, bekommst du Bezugsrechte ins Depot gebucht. Sie sind quasi dein „Vorkaufsrecht“ auf die neuen Aktien. Je nach zeitlichem Ablauf macht es Sinn, hier zeitnah eine Entscheidung zu treffen.

In meinem Depot sah das so aus: Für meine 10 OHB-Aktien wurden mir 10 Bezugsrechte eingebucht.


Einbuchung Bezugsrechte DE000A41YFG5 (A41YFG)

Die wichtigsten Konditionen auf einen Blick

Am Folgetag schickte die ING das Update mit den genauen Konditionen. Das sind die vier Zahlen, auf die es ankommt:

  • Bezogenes Wertpapier (die neuen Aktien): OHB SE Inhaber-Aktien o.N. (ISIN DE0005936124 / WKN 593612)
  • Bezugsverhältnis: 45:4
  • Bezugspreis: 300,00 € je neuer Aktie
  • Weisungsfrist: bis 02.07.2026, 11:00 Uhr

Was bedeutet das Bezugsverhältnis 45:4?

Hier entsteht häufig Verwirrung. Das Verhältnis 45:4 bedeutet hier: Für je 45 Bezugsrechte (also 45 „alte“ Aktien, die du besitzt) kannst du 4 „neue“ Aktien der OHB SE zum Preis von 300 € erwerben.

Wieso bekomme ich nun 10 Bezugsrechte, wenn das Verhältnis 45:4 lautet? Das sind zwei völlig verschiedene Dinge:

  • Die Einbuchung läuft immer 1:1, also für jede „alte“ Aktie bekommst du genau ein Bezugsrecht. Ich hatte 10 OHB-Aktien, also liegen 10 Bezugsrechte im Depot.
  • Das Verhältnis 45:4 ist dagegen nur der „Wechselkurs“, zu dem du diese Rechte gegen neue Aktien eintauschen kannst. Rund 11 Bezugsrechte pro neuer Aktie. Die Bezugsrechte selbst haben auch nochmal einen eigenen Wert, mehr dazu im weiteren Verlauf.

Mit meinen 10 Bezugsrechten komme ich damit rechnerisch nicht auf eine ganze neue Aktie. Das ist bei kleineren Positionen ganz normal und kein Fehler, es gibt dafür eine Lösung.

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Welche Optionen hast du jetzt? (Achtung: Kurze Frist)

Sobald die Bezugsrechte im Depot liegen, solltest du aktiv werden. Es gibt im Wesentlichen drei Optionen.

Option 1: Das Angebot annehmen (Aktien beziehen)

Du nutzt deine Bezugsrechte, um neue Aktien zum festgelegten Bezugspreis von 300,00 € zu kaufen. Das ergibt in der Theorie vor allem dann Sinn, wenn du langfristig an das Unternehmen glaubst und deine Position weiter ausbauen möchtest.

Aber Achtung: Die OHB-Aktie kostet an der Börse aktuell rund 284 €, also weniger als die 300 € Bezugspreis. Wer einfach neue Aktien haben möchte, bekommt sie über die Börse also günstiger als über den Bezug. Deshalb solltest du nicht einfach „mitziehen“, nur weil du Bezugsrechte im Depot hast. Rechne immer gegen: Liegt der Bezugspreis über dem aktuellen Kurs, ist der Bezug erstmal unattraktiv und die Bezugsrechte selbst sind entsprechend wenig wert. Liegt er darunter, kann ein Bezug ein Vorteil sein, sofern du aufstocken möchtest.

OHB Kurs vom 01.07.2026, 10:34 Uhr
  • Kosten bei ING: Beim Bezug fällt die normale Orderprovision der ING an. Kaufst du zusätzlich Bezugsrechte hinzu, kostet dieser Kauf eine extra Provision.

Option 2: Bezugsrechte verkaufen

Du möchtest kein frisches Geld in OHB investieren? Dann musst du die Bezugsrechte nicht verfallen lassen. Sie werden an der Börse gehandelt und haben einen eigenen Wert. Du kannst sie also verkaufen und realisierst so einen kleinen Barausgleich für die Verwässerung. Wenn du dir bereits sicher bist, dass du sie verkaufen möchtest, macht es Sinn den Verkauf frühstmöglich in Auftrag zu geben, um den besten Preis zu erhalten.

  • Kosten bei ING: Für den Verkauf der Bezugsrechte fällt die normale Orderprovision an.

Option 3: Nichts tun (manchmal die teure Variante)

Wer die Frist komplett verstreichen lässt und keine Weisung erteilt, riskiert im schlechtesten Fall, dass die Rechte wertlos verfallen. Die ING schreibt zwar, dass sie nach Ende der Frist versuchen wird, die Bezugsrechte „bestens“ zu verkaufen, eine Garantie gibt es da aber nicht, zudem kann der Preis für die Bezugsrechte dann niedrig sein. Wichtig zu wissen ist, dass auch der Preis bzw. Wert der Bezugsrechte schwankt und hier das richtige Timing eine Rolle spielen kann.

Wenn du verkaufen willst, mache das am besten selbst und rechtzeitig. So behältst du die Kontrolle über Zeitpunkt, Handelsplatz und Kurs.

So erteilst du die Weisung bei der ING

Hast du dich entschieden, kannst du das direkt im Online-Banking oder in der App umsetzen.

Möglichkeit 1: Direkt aus der Depotübersicht (nur Verkauf)

Möchtest du die Bezugsrechte einfach verkaufen, geht das am schnellsten direkt aus der Depotübersicht über den Button „Verkaufen“.

Der große Vorteil: Du siehst direkt die verschiedenen Handelsplätze, Gebühren und Kurse und kannst gezielt den günstigsten wählen. Beim Direkthandel über Tradegate fallen z. B. keine Zusatzkosten an, während an Xetra oder den Regionalbörsen eine Handelsplatzgebühr dazukommt.

Bezugsrechte am 30.06.2026
Bezugsrechte am 01.07.2026

Hier kannst du auch ein Limit setzen, um nicht zu einem beliebigen Preis zu verkaufen.

Beispiel: Direkthandel

Im Fall von OHB kostete ein Bezugsrecht am 30.06.2026 noch rund 1,60 €, am 01.07.2026 nur noch etwa 0,40 €. Der Grund für das niedrige Niveau: Mit dem Bezugsrecht darf man neue Aktien für 300 € beziehen, die Aktie selbst kostet an der Börse aber zur gleichen Zeit nur rund 284 €. Warum sollte man also über das Bezugsrecht teurer kaufen als direkt an der Börse? Genau deshalb sind die Rechte hier kaum etwas wert. Genau so kann es aber natürlich auch anders herum passieren: Wenn die Aktie bei 350 € stünde, wäre das Recht, neue Aktien für nur 300 € zu beziehen, sehr attraktiv und die Bezugsrechte entsprechend wertvoll.

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Möglichkeit 2: Über „Kapitalmaßnahmen / Weisung“ (Bezug und Verkauf)

Eine weitere Möglichkeit ist der Verkauf über die Weisung. Hier kannst du via ing.de/weisung die aktuellen Kapitalmaßnahmen sehen und eine Weisung erteilen.

Bezug

Wenn du neue Aktien beziehen (Bezugsrechte zukaufen) möchtest: Hier kannst du direkt die Stückzahl und den Handelsplatz festlegen. Als Weisungsbeispiel habe ich hier am 30.06.2026 einmal 20 Aktien (Auftragsgegenwert ca. 6.000 €) angegeben, wodurch entsprechend 215 Bezugsrechte zugekauft würden.

Verkauf der Bezugsrechte

Wählst du hier „Verkauf der Bezugsrechte“, kannst du diese auch hier veräußern. Hier hast du auch die Möglichkeit, den Handelsplatz zu wählen und siehst dann jeweils den Auftragsgegenwert darunter.

Anschließend nur noch bestätigen und fertig.

Fazit: Frist im Blick behalten

Eine Kapitalerhöhung mit Bezugsrechten sieht auf den ersten Blick kompliziert aus, ist aber im Kern eine einfache Entscheidung in drei Richtungen: mitziehen, verkaufen oder verfallen lassen. Die ersten beiden sind eine bewusste Wahl, die dritte ist meistens nur ein vergessenes Datum.

Das Wichtigste ist deshalb, die Weisungsfrist nicht zu verpassen. Trage dir den Stichtag direkt in den Kalender ein, sobald die Post von der Bank kommt. Ob sich der Bezug für dich lohnt, hängt dann ganz von deiner Einschätzung zum Unternehmen und dem Kurs ab.

Wer in einzelne Aktien investiert, kann immer mal wieder mit solchen Themen in Berührung kommen. Kapitalmaßnahmen, Bezugsrechte, Spin-offs, Sachdividenden und noch einige mehr. Zu vielen dieser Themen habe ich Artikel im Aktiengram Börsenlexikon erstellt.

Auf dem YouTube Kanal der ING gibt es außerdem ein Erklärvideo zu einer freiwilligen Kapitalmaßnahme:

Weitere Fragen zum Thema Bezugsrechte bei ING

Was, wenn der Verkauf der Bezugsrechte weniger wert ist als die Ordergebühr?

Genau das kann bei kleinen Positionen passieren. Der Kostenhinweis der ING enthält dazu aber eine wichtige Zeile: Ist der Auftragsgegenwert geringer als die regulär anfallenden Verkaufskosten, erfolgt „keine negative Abrechnung“. Heißt: Du zahlst durch den Verkauf nicht noch aus eigener Tasche drauf.

Was, wenn die Bezugsrechte weniger wert sind als die Ordergebühr?
Was, wenn die Bezugsrechte weniger wert sind als die Ordergebühr?

Wie genau am Ende abgerechnet wird, siehst du aber immer verbindlich in den Kostendetails deiner konkreten Order.

Praktisch bleiben dir bei so einem Kleinstbetrag drei Wege: verkaufen (bringt netto kaum etwas, verursacht bei der ING aber laut Hinweis kein Minus), beziehen (nur sinnvoll, wenn der Bezugspreis attraktiv ist) oder verfallen lassen.

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📀 Disclaimer: Das Investieren in Wertpapiere ist mit Risiken verbunden. Ihr handelt immer auf eure eigene Verantwortung! Bitte betreibt dabei immer eure eigene Recherche. Das gilt sowohl für Gebühren, Kennzahlen als auch für die Qualität von Aktien, Anleihen, ETFs und sonstigen Wertpapieren. Die genannten Informationen oder Kennzahlen wurden nach bestem Wissen und Gewissen notiert. Dabei besteht keine Garantie auf Richtigkeit oder Aktualität der Daten. Die genannten Informationen stellen keine Anlageberatung, keine Anlageempfehlung und auch keine Aufforderung zum Kauf oder Verkauf von Wertpapieren oder sonstigen Finanzprodukten dar. Es handelt sich zu keinem Zeitpunkt um eine Anlageberatung, Empfehlung, Steuerberatung oder sonstige fachliche Beratung.

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