Ein Nerd investiert

Heute im Interview: Daniel, der selbsternannte Nerd erzĂ€hlt uns ein wenig ĂŒber seine Investmentstragegie und seinen Weg an der Börse. Viel Spaß!

1. ErzĂ€hle den Lesern ein wenig ĂŒber dich, wie alt bist du was arbeitest oder studierst du und womit beschĂ€ftigst du dich hauptsĂ€chlich in deinem Leben? (Abseits der Börse.)

Hallo zusammen, ich bin Daniel, 38 Jahre alt und arbeite als Physiker an einem Forschungsinstitut. Jenseits der Arbeit verbringe ich meine Zeit hauptsĂ€chlich mit dem Lesen und Hören ĂŒber Finanzthemen, aber auch mit dem Krafttraining (bzw. Powerlifting), das ich — wenn nicht gerade Pandemie ist — 4x die Woche betreibe.


2. Wie bist du zum Thema Aktien, Investieren und der Börse gekommen?


In meiner Verwandtschaft war die Grundeinstellung gegenĂŒber der Börse eher negativ — Spekulation, Geld verlieren, unmoralisch andere Leute ausbeuten — diese Stichworte schwebten ĂŒblicherweise in der Luft, wenn die Rede von dem Thema war.

So richtig mit der Nase auf die Börse gestoßen wurde ich erst, als ich Podcasts fĂŒr mich entdeckt habe: Meine ersten Aktienpodcasts waren der von Nils Steinkopff, sowie Aktien mit Kopf.

3. Verfolgst du eine Investitionsstrategie und was findet man hauptsÀchlich in deinem Depot?


Über die oben genannten Podcasts bin ich schnell auf Value Investing aufmerksam geworden und war begeistert von dessen rationalem Ansatz. Unter Value Investing verstehe ich selber eher nicht den klassischen Ansatz nach Benjamin Graham, wo man “den letzten Zug aus einem Zigarrenstummel nimmt”, wie es Warren Buffett formuliert hat, sondern eine Investition in dauerhaft stabile und möglichst wachsende Unternehmen. Dies aber immer unter der Bedingung, dass sie derzeit stark unterhalb ihres “intrinsischen Wertes” gehandelt werden, den ich vorher fĂŒr mich bestimmt habe.

Was die Diversifikation betrifft, beschrĂ€nke ich mich auf max. 8 Werte, da darĂŒber kein großer Vorteil mehr zu erzielen ist (auch ein MSCI World mit 1600 Firmen verliert mal eben 30% oder mehr in der Krise). Diese beschrĂ€nkte Anzahl ermöglicht es mir auch, alle meine Firmen aufmerksam zu verfolgen.

Ich habe keinen besonderen Branchenfokus, habe bisher aber noch wenig Ahnung von Banken, Versicherung sowie Pharmafirmen. Ich lese aber ungemein gern und will solche LĂŒcken zukĂŒnftig schließen.

4. Hast du einen Aktientipp oder verfolgst du gerade ein Unternehmen ganz besonders?

Ich besitze eher unbekannte Unternehmen. KĂŒrzlich habe ich mir eine Firma namens Robert Half International angesehen, welche Personalvermittlung und Beratung betreibt. Sie zeigen ein langjĂ€hrig stabiles Wachstum bei Null Schulden — schon mal nicht schlecht. Inzwischen habe mir ein Bewertungsschema ĂŒberlegt, das ich auf meinem Instagram Kanal — den NerdScore.

5. Welche Informationsquellen oder Tools nutzt du um Aktien zu bewerten und auszuwÀhlen?
Auf meine Investition werde ich ĂŒber Screener (z.B. tradingview, finviz), Podcasts oder Kontakte mit anderen Value Investoren aufmerksam. Nach einem Blick auf die wichtigsten Zahlen geht mein nĂ€chster Schritt dann immer auf die Suchmaschine.
“<Firmenname> investor relations” fĂŒhrt so gut wie immer zu meinem ersten Ziel, nĂ€mlich zu einer Webseite, wo man die Jahresberichte des Unternehmens findet. Diesen lese ich dann, allerdings nicht von vorne bis hinten wie einen Roman, sondern selektiv. Dabei gehe ich nach einer Checkliste vor, die mir eine Beurteilung der StabilitĂ€t des Unternehmens usw. ermöglichen soll. Am Schluss steht die Bewertung, die ich mit einer selbst gebastelten Spreadsheet-Tabelle vornehme.
Außerdem lese ich sehr gerne BĂŒcher von bekannten Value Investoren, bspw. von Charlie Munger, Peter Lynch, Joel Greenblatt (diese drei sind meine Lieblinge). Es gibt noch viele weitere, daher ist meine Leseliste noch lang.

6. Wie kam es dazu, deinem Instagram Account zu erstellen welche Motivation hast du und wo soll es fĂŒr dich noch hingehen?

Nachdem ich mich erstmal in die Börse reingefuchst hatte, ist mir der krasse Kontrast zu meiner frĂŒheren Wahrnehmung klar geworden, und ich wusste, dass ich etwas gegen diese verzerrte Wahrnehmung in der Öffentlichkeit tun wollte. Außerdem habe ich gemerkt, dass die Informationen ĂŒber Value Investing auf Deutsch ziemlich dĂŒnn gesĂ€t sind (und die guten BĂŒcher auf Deutsch leider total bescheuerte Titel haben…). Daher erklĂ€re ich auf meinem Account die Grundlagen des Investierens nach “Value”-Art und freue mich ĂŒber die Interaktion mit anderen Investoren. Das ganze ist eine absolute Win-Win-Situation, da ich auch selber sehr viel dabei lerne und so meine eigenen Investitionstechniken verfeinern kann, was mir selber auch sehr zugute kommt.

Vor kurzem habe ich außerdem das Social Trading fĂŒr mich entdeckt: Hier kann man praktisch als Manager eines eigenen Fonds agieren, der bei genĂŒgend Interesse sogar investierbar wird. Das finde ich ein super Konzept — hier kann man sich beweisen und trĂ€gt auch nicht die ganzen Fesseln, die einen institutionellen Fondsmanager in seiner Freiheit beschrĂ€nken.

7. Hast du eine Aktie in deinem Depot, die du niemals verkaufen wĂŒrdest und hast du eine Lieblings Aktie?


Meine “Lieblingsaktie” ist derzeit Capri Holdings, die ich wĂ€hrend des Corona-Crashs wirklich im absoluten Dip erwischt habe: sie liegt derzeit um die 210% im Plus. Verkaufen wĂŒrde ich sie aber trotzdem, wenn ich der Meinung bin, dass sie ihr sinnvolles Steigerungspotential ausgeschöpft hat.