Interview mit Emma von Leeway

1. Erzähle den Lesern ein wenig über dich, wie alt bist du, wie sieht deine Arbeit aus und womit beschäftigst du dich hauptsächlich in deinem Leben? (gerne auch Abseits der Börse.)

Ich bin Emma, 24 Jahre alt und nach meinem Master in Management im letzten Jahr wieder zurück nach Berlin gezogen

Ich begeistere mich sehr für Marketing und Branding – und das nicht nur professionell sondern auch privat. Eine gute Marke liegt irgendwo an der Schnittstelle von Kunst und Wissenschaft. Da wird es teilweise sehr komplex: es geht darum, klar und überzeugend zu kommunizieren, eine Beziehung zu Menschen aufzubauen und tatsächlich Mehrwert zu erzeugen. Bei Leeway konzentrieren wir uns momentan darauf, Erklärungen und Einstiegshilfen für den Aktienhandel zu produzieren und zu veröffentlichen. Gleichzeitig versuche ich natürlich auch, uns in der Berliner Startup-Szene weiter zu etablieren. Das heißt, viel networken und pitchen. 

Gerade weil ich mich so für meine Arbeit begeistere, nimmt sie gerade einen Großteil meiner Zeit ein (auch in meiner Freizeit unterstütze ich gerne Freunde und Bekannte bei deren Projekten). 

2. Wie bist du zum Thema Aktien, Investieren und der Börse gekommen? (ggf. auch zu deinem Beruf)

2018 haben meine derzeitigen Partner nach einem Cofounder und Marketing Manager für ihr Startup gesucht. Damals hatte ich gerade meinen Bachelor in Kommunikation abgeschlossen und schon Erfahrung als freie Kommunikationsberaterin gemacht. Mit dem Thema Aktien war ich bis dahin allerdings noch gar nicht in Berührung gekommen. 

Bei Leeway, unserem Unternehmen, handelt es sich um ein Fintech. Wir bieten algorithmen-basierte Aktienanalysen für Privatanleger und (semi)-institutionelle Kunden an. Das beinhaltet sowohl Fundamentalanalysen und Marktanalysen als auch Informationen zur Nachhaltigkeit von Unternehmen – alles auf einer Plattform. Unser Ziel war es von Anfang an, den Aktienhandel für Privatanleger zugänglicher zu machen und ihnen Tools für erfolgreiche Investitionsentscheidungen an die Hand zu geben. 

Ich arbeite mich seit inzwischen mehr als zwei Jahren Vollzeit in die Themen Aktien und Märkte ein und lerne fast jeden Tag dazu – eine Herausforderung aber gleichzeitig nicht nur eine Investition in mein Unternehmen sondern auch in meine eigene finanzielle Zukunft. 

3. Verfolgst du eine Investitionsstrategie und was findet man hauptsächlich in deinem Depot? (Setzt du nur auf gewisse Branchen oder bist du sehr diversifiziert?)

Wie die meisten Deutschen, bin ich ein eher konservativer Anleger. Ich investiere langfristig und halte einen Teil meines Geldes in sehr stabilen Finanzprodukten. Einen anderen Teil investiere ich in Aktien. Dabei wähle ich vor allem Unternehmen aus, die eine langfristig stabile Wertentwicklung aufweisen und ein Business Model haben, dass auch in einigen Jahren noch relevant sein wird. Sobald ich damals verstanden habe, wie viel Aufschluss einem hier eine Fundamentalanalyse (also eine Analyse der Finanzkennzahlen der Unternehmen) geben kann, habe ich dann tatsächlich angefangen, unser eigenes Tool zu benutzen. Das ist sehr intuitiv und ich muss nicht mehr in Jahresberichten und Bilanzen herumsuchen. Auch wenn ich mal einen „heißen Tipp“ von jemandem bekomme, schaue ich mir an, wie das Unternehmen fundamental aufgestellt ist. Wenn der große Boom dann ausbleibt, halte ich die Aktie eben länger und mache trotzdem stabile Renditen. Also kurz gesagt: diversifiziert in stabile Unternehmen investieren!

In letzter Zeit beschäftige ich mich übrigens auch immer mehr mit der Nachhaltigkeit von Unternehmen, also ESG-Faktoren. Ich glaube tatsächlich, dass das ein wichtiger Aspekt ist, wenn man langfristig Renditen optimieren und Risiken vermindern will – diese Meinung teilen übrigens große institutionelle Anleger wie BlackRock und auch die meisten anderen Fintech Gründer, mit denen ich mich unterhalte. 

4. Hast du einen Aktientipp oder verfolgst du gerade ein Unternehmen ganz besonders? (Wenn ja, warum?)

So wie wahrscheinlich viele von uns habe ich mich in letzter Zeit viel mit Unternehmen beschäftigt, die rund um die Covid-Thematik viel Aufmerksamkeit bekommen haben: Impfstoffproduzenten, Lieferdienste, Kommunikations-Software, etc. Das haben wir für unsere Nutzer ein wenig kritisch durchleuchtet. Und letzten Endes habe ich für mich selber entschieden, dass dieses kurzfristige, news-orientierte Investment nicht ganz mein eigener Stil ist. 

Einen konkreten Aktientipp habe ich nicht. Ich würde nur jedem raten, für sich zu evaluieren, ob er ein kurzfristiger oder langfristiger Anleger ist und sich dementsprechend eine Strategie zurechtzulegen, die zu ihm passt. 

5. Welche Informationsquellen oder Tools nutzt du um Aktien zu bewerten und auszuwählen?

Ich bin inzwischen sehr tief in der Berliner Startup-Szene vernetzt und spreche viel mit anderen Gründern aber auch Investoren und VCs. Gleichzeitig tauscht man sich natürlich auch mit anderen Anlegern aus. Daraus entsteht dann ein Gesamteindruck darüber, welche Themen, Branchen, Geschäftsmodelle oder auch Unternehmen in nächster Zeit an Relevanz gewinnen könnten. Meist höre ich mich dann noch ein wenig weiter um, lese ein paar Artikel, mache eine kleine Google-Recherche. Der letzte Schritt ist für mich allerdings immer die Fundamentalanalyse über unser Tool. Und natürlich frage ich dann auch mal bei unserem Analysten und profitiere ein bisschen von seinen Erfahrungen – vor allem, wenn es ums Timing geht. 

6. Wie kam es dazu, dass du beruflich in den Fintech-Bereich gegangen bist?

Wie gesagt, sind meine Kollegen damals auf mich zugekommen und ich habe die Chance ergriffen. Was mich dabei vor allem gereizt hat, war die große Verantwortung und Mitbestimmung, die ich so wahrscheinlich bei keinem größeren Arbeitgeber hätte übernehmen können. 

Meine Entscheidung, in das Fintech Segment einzusteigen bereue ich definitiv nicht. Hier ist in den letzten Jahren so viel passiert: Berlin hat sich als Standort stark entwickelt und es tauchen immer neue technische Möglichkeiten oder auch Themen wie jetzt zum Beispiel Nachhaltigkeit und Sustainable Finance auf. Es ist eine wirklich spannende Zeit! 

7. Hast du eine Aktie in deinem Depot, die du niemals verkaufen würdest und hast du eine Lieblings Aktie?

Ich glaube hier bin ich durch unseren sehr objektiven und analytischen Ansatz wenig prädestiniert, mich zu sehr an eine Aktie zu binden. Grundsätzlich würde ich jede Aktie verkaufen, wenn das objektiv die beste Entscheidung wäre – und der Zeitpunkt der richtige ist. 

Vielen Dank für das Interview – einen wirklich spannenden Weg gehst du da, liebe Emma!

Schreibe einen Kommentar